Kapitel 13: Das Verschwinden

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Kapitel 13: Das Verschwinden

Beitrag von Arashi Eispfote am Mo Okt 09, 2017 7:49 am

Kapitel 13: "Das Verschwinden"

von Arashi Eispfote

Tap-tap-tap. Schritte -  ich hörte Schritte. Ich ziehe etwas Luft durch die Nase ein. Sie ist heiß und trocken und auch etwas staubig. Wir mussten an einem sehr öden Fleck in Kalimdor gelandet sein, wenn wir überhaupt noch in Kalimdor waren. Langsam öffne ich meine Augen und sehe verschwommene Umrisse diverser Gestalten. Ich taste mit einer Pfote auf dem Untergrund herum, ich liege auf einer Decke die nicht die meine ist und starre in ein Lagerfeuer. Mein Blick schweift umher. Ich sah nach und nach immer deutlicher Jonathan, wie er von einer Seite des Lagers zum anderen marschiert. Plötzlich hält er inne und mustert mich von oben bis unten. Ich versuchte mich zu erinnern, was geschehen war…  jedoch…  das letzte woran ich mich schwammig erinnerte war Pandaria. Wir waren alle zusammen dieser seltsamen P.L. O.T. GmbH auf der Spur gewesen…


Ich, Tsuneyasu, Makrall, Hiyuu, Jonathan, Ryla, Jerodar, Gorzag, Lanli und Rekdan…  Rekdan!

Plötzlich erinnerte ich mich! Ich riss fast schon panisch den Kopf hoch, stöhnte dann vor Schmerz und verzog das Gesicht.
„Bleibt liegen. Die Schmerzen verge'en, doch solltet ihr noch eine Weile ru'en.“
„Verdammt nochmal...“, ich fasste mir an die Schläfen. „Mir dröhnt der Kopf…“, ich erkannte meine Stimme fast nicht mehr wieder. Sie hörte sich brüchig und trocken an, als hätte ich sie tagelang nicht mehr benutzt.
„'ier.“, er reichte mir einen Trinksack. „Wasser. Wenn ihr brechen müsst, zu euren Füßen wurde ein Loch ausge'oben. Die Giftstoffe müssen irgendwie raus.“, ich nehme die Flasche entgegen und hebe sie vorsichtig an. In kleinen Schlucken nehme ich das Wasser in meine ausgetrocknete Kehle auf. Dann setze ich mich langsam auf, darauf bedacht keine zu hektischen Bewegungen zu machen.
„Ihr wurdet vergiftet, falls i'r es nicht selbst schon… erschlossen 'abt.“
Ich schaue Jonathan stumm an und nicke leicht. „Das würde zumindest vieles erklären.“
„Würde es das? Nun, die Situation ist, dass ein gewisser Troll über Euch an Rekdan wollte...Und in seinem Unterfangen erfolgreich war. Und nein, es war nicht Makrall.“, Jonathan kniete sich vor das Lagerfeuer und stocherte etwas in der Glut herum.
Die Worte zogen an meinen Geist zunächst vorbei, ehe ich realisierte, was er da gerade eigentlich gesagt hatte. Ich sehe Jonathan plötzlich mit weit geöffneten Augen an.
„Wie bitte???“, ich konnte nicht glauben, was er da sagte, ich sehe hinunter in die Flammen und murmle in monotoner Stimme: „Dann habe ich das also doch nicht geträumt...“

„Rekdan ist tot… oder verschwunden, der fremde Troll ist fort. Aber immer'in 'at er uns das Gegengift dagelassen... Wie fü'lt i'r euch jetzt?“
„Rekdan könnte tot sein?“, ich erkannte meine eigene Stimme kaum wieder.
„Keine A'nung. Aber eben.. nicht me'r da. Es gab wo'l einen Kampf. Ich 'abe noch nicht mit unserer Spurenleserin vom Dienst gesprochen.”
Ich balle die Fäuste, beiße mir auf die Unterlippe und schüttle langsam den Kopf: “Er ist nicht tot. Er darf einfach nicht tot sein.”
“Ich glaube es auch nicht. Das wäre viel zu einfach. Und lebendig gibt es me'r Gold.”
“Das würde ich mir nie verzeihen, wenn er wegen einer meiner Fehler…”,plötzlich überkam mich schlagartig Übelkeit, ich würgte, beugte mich nach links und übergab mich in die kleine Kuhle, die einer meiner Begleiter anscheinend für mich ausgehoben hatte.
Ryla und Tsuneyasu kamen ebenfalls ans Feuer und setzten sich zu uns. Ryla beobachtete mich und Schuldgefühle überkamen mich. Jedoch statt mir Vorwürfe zu machen grüßte sie mich lediglich. Die einzige Reaktion, die einen Einblick in ihre Gedankenwelt erlaubte war, dass sie etwas irritiert blinzelte, als sie mich vornübergebeugt dasitzen sah.

Ich blieb noch einige Momente in vornübergebeugter Position und atmete flach und hektisch. Als sich mein Magen wieder beruhigt hatte und ich halbwegs normal atmete, richtete ich mich wieder auf.
“Beru'igt euch. Achtet auf eure Atmung, Meisterin.”, er reichte mir erneut den Schlauch.
Ich schloss die Augen und nickte. Dann nahm ich noch einen Schluck aus der Flasche und spuckte das Wasser allerdings direkt wieder aus um den ekelhaft Geschmack aus meinem Mund zu bekommen.
“Er hat recht... ich dachte ihr wäret tot als ich euch in dem Lager liegen sah…”, Ryla musterte mich.
“Wir können es nicht ändern und den Forderungen des Trolls nach Rekdan nachzugeben war die beste Lösung.”
Ich schaue die beiden nacheinander an: “Was genau ist passiert?”

Mein Blick wanderte kurz gen Tsuneyasu. Er schwieg schon die ganze Zeit und sein Blick war neutral, sodass keine Gefühlsregung zu erkennen war.
Jonathan hingegen begann zögernd zu berichten: “Nun…  Ihr wurdet entführt und wir 'aben eure Spur verfolgt. Bis wir euch ein paar Stunden von hier fanden, in einer ausgebrannten Hütte. ..mit diesem Troll. Er war nicht allzu geheimniskrämerisch mit seinen Plänen, verlangte mit Rekdan zu sprechen. Sagte, er 'ätte euch vergiftet. Und dass allein er das Gegengift wüsste, wo es versteckt sei…”
Ich nicke langsam. Das passte zudem, an was ich mich schwammig erinnern konnte.
“Ihr wart schwach, Arashi. Es griff all eure Organe an, verunreinigte euer Chi… Also 'aben wir ihn zu Rekdan ge'en lassen, um zu reden. Es war wo'l eine… Nun sagen wir, er'itze Konversation. Hiyuu und meine Wenigkeit 'aben an einer Lösung gearbeitet, euch auch o'ne Gegengift zu retten.”
“Reden?! REDEN?! Dieser Troll wollte Rekdan um ihn…”, ich konnte nicht weiter sprechen. Ich würgte kurz und hielt mir eine Pfote vor den Mund. Ich versuchte ruhig zu atmen und mich wieder zu beruhigen.

Die beiden redeten weiter und ich hörte kaum zu erst als der stechenden Schmerz langsam wieder nachließ lauschte ich den Worten der Anwesenden.
“Rekdan ist fort... das ist meine Schuld. Ob er tot ist weiß ich nicht, als ich ihn zuletzt sah, sah er nicht tot aus... inzwischen dürfte er tot sein... wenn er Glück hat.”, das waren Ryla Worte. Gerade als ich zu einer Antwort ausholen wollte, meldete sich Jonathan zu Wort.
“'Ätten wir me'r Zeit ge'abt, 'ätte ich selbst ein Gegengift gebraut. 'Ätten wir me'r Zeit ge'abt, 'ätten wir dem Troll den Ort des Gegengifts auf anderem Wege abringen können...Doch es war keine Zeit… Es war einfach keine Zeit.”
“Ohne zu wissen, welches Gift…”, ich sprach mehr zu mir selbst als zu Jonathan. “wäre es eh ein schweres Unterfangen gewesen.”
Plötzlich erhob sich Tsuneyasu und blickte in die Ferne: “Ich werde suchen, bis ich ihn finde. Egal ob tot oder lebendig.”, er verschränkte die Arme vor der Brust und auch wenn er es sich nicht anmerken ließ spürte ich seine innere Unruhe.
“Ihr seid ein Narr, wenn ihr dieses Unterfangen durchzieht, Tsuneyasu. Rekdan ist in Gewahrsam der Horde.”, kam es nur trocken von Ryla.
“Und wenn schon. Wenn er in Gewahrsam der Horde ist, brauche ich nicht weit wandern.”
“Also 'atte er tatsächlich Dreck am Stecken.“. Jonathan stocherte in der Glut vor und murmelte leise, „Naja, wer 'at das nicht…”
“Er hatte kein Dreck am Stecken!”, brach es dann aus mir heraus und ich fauchte Jonathan an. Die Übelkeit überkam mich erneut. Ich würgte und beugte mich wieder über das ausgeschaufelte Loch und übergab mich. Viel kam allerdings nicht hoch, wie auch? Ich hatte seit Tagen keine richtige Nahrung zu mir genommen.  Ich hustete und spuckte und blieb einige Momente so in dieser vornübergebeugten Position.
Ich spürte förmlich Jonathans Blick auf mir. Doch es war mir gleich, was er dachte. Ich wischte mir mit dem Pfotenrücken über den Mund und setzte mich auf.

“Warum soll er dann im Gewa'rsam der 'Orde sein?”
“Das kann ich euch erklären....”, meinte Ryla.
“Eine Erklärung wäre mal ganz vorzüglich. I'r wisst anscheinend me'r über i'n als ich.”
Tsuneyasu kam Ryla etwas zuvor. “Sein Hof wurde von der Legion überrannt. Seine Familie entführt. Er erpresst. Wenn die Horde ihn tötet, dann zu unrecht.”
“Wisst i'r, wer i'n erpresst? Gibt es 'andfeste Beweise für das, was i'm vorgeworfen wird? Denn wenn nicht, wird es deutlich leichter, i'n wo auch immer 'errauszu'olen.”
“Der Fall hat mit der Legion zu tun und Verrat an der Horde. Sie werden nicht zögern.”, Tsuneyasus Stimme war ruhig und besonnen. Er hatte ein bemerkenswertes Talent, seine Gefühle im Zaum zu halten. Ganz anders als ich, die immer kurz davor war auszubrechen und diese klipp und klar zu zeigen.
“Nun... sei es wie es sei... Rekdans Schicksal ist besiegelt. Wenn mein Pfeil den Troll getötet hätte... wäre es vielleicht anders gekommen.”, die Elfe sah fast schon störrisch in die Flammen. Ich konnte mir gut vorstellen, was in ihr vorging. Aber darauf konnten wir keine Rücksicht nehmen. Jedem von uns ging es so. Jeder hatte sein eigenes Päckchen mit sich herum zu tragen. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen als Jonathan etwas anmerkte, was mir selbst schon das eine ums andere Mal durch den Kopf geschossen war. Was wäre wenn?

“Es wäre auch vielleicht so gekommen, dass euer Pfeil Rekdan getroffen 'ätte. Wenn i'r zu se'r auf der Vergangen'eit 'erummatert, wird sie euch ein'olen, wenn i'r vor der nächsten Eintscheidung ste't.”
“Die Vergangenheit, mein Freund, die Welt wie wir sie kennen ist am Ende... die Vergangenheit bleibt der Schlüssel zur Zukunft. Ich weiß das... denn ich kämpfe jeden Tag dafür. Ich kämpfe nicht für irgendwelche Streitereien und Kriege zwischen verfeindeten Fraktionen oder halte mich mit Elfenintrigen auf... wer auf irgendeinem Thron sitzt ist mir egal. Wir alle sind nichts als Soldaten. Wir müssen wissen wofür wir kämpfen…”
Ich schaute von einem zum anderen und runzelte die Stirn. Vorerst schwieg ich, allerdings gefiel mir das was Ryla da sagte überhaupt nicht und das konnte man auch deutlich von meinem Gesicht ablesen.
“Große Worte. Ich se'e die Welt anders, Cherié. Und wenn i'r euren Horizont erweitern möchtet, solltet i'r jenseits der Finsternis se'en, die i'r Tag für Tag um euch erschafft. Es war nicht eure Schuld. I'r 'attet Pech.”

“Finsternis? Die Finsternis herrscht anders wo. Ich bin lediglich realistisch.”
Plötzlich durchbrach Tsuneyasu das Gespräch und blickte entschlossen zu der Gruppe: “Ich werde heute noch nach Orgrimmar aufbrechen. Ich brauche Gewissheit. Meisterin Eispfote, Ihr werdet in Pandaria gebraucht. Meister Tintenfell wartet sicherlich schon sehnsüchtig auf Euch. Ich werde nachkommen, sobald ich genaueres weiß.”
“Das klingt nach einem guten Ansatz. Ge't den offiziellen Weg.”
“Bei allem Respekt, Meister Nebelpranke. Ihr erwartet nicht wirklich, dass ich nun nach Pandaria reise oder?” sein Blick den er mir auf diese Aussage hin zuwarf spiegelte wohl die Amüsiertheit darüber wie ich ihn ansah. Ich schaute ihn an als ob er nicht mehr alle Kirschblüten am Baum hätte.
“Ich wusste, dass Ihr das sagen würdet.”, ein erwärmendes Lächeln ziert sein Gesicht.
Ich nickte ihm zu: “Wenn dann werden wir gemeinsam aufbrechen. Keine Alleingänge mehr. Wir werden alles dafür tun, um das Schicksal unseres Freundes abzuwenden. Wir müssen einander vertrauen und darauf hoffen, dass wir stark genug dazu sind.”, ich lächelte Tsuneyasu an. Ich war wahrhaftig froh, ihn als Beistand in der Gruppe zu haben.

Ryla zog verärgert die Brauen zusammen und mache eine ausschweifende Handbewegung: “Nun... für euch meine Liebe... ich für meinen Teil hatte noch nicht das Vergnügen irgendjemanden in dieser Gemeinschaft groß kennenzulernen... ebenso kennt niemand meine Wenigkeit. Ich traue Leuten nicht blind wenn ich sie sehe... wenn Ihr wüsstet was ich erlebt habe würde Ihr verstehen. Vertrauen und Respekt wollen sich verdient werden.”
“Rekdan hat unser Vertrauen verdient.”, Tsuneyasu sprach sehr leise aber die Kraft die seine Stimme ausstrahlte bestätigte mich in meinen nächsten Worten: “Vertrauen muss entgegengebracht werden um es ebenso zu erhalten. Genauso wie Respekt. Das solltet Ihr im Laufe Eurer Jahre inzwischen auch gelernt haben.”
Ich beobachtete, wie Jonathan eine kleine Blechkanne mit Teeblättern füllte und diese auf einen Stein im Feuer stellte: “Wir dre'en uns im Kreis. Lasst uns den Weg nach vorne schreiten, nicht immerzu vor und zurück wandeln… “
Plötzlich brach es aus Ryla heraus: “Dann gebt mir doch einen Grund... diesen Weg mit euch zu beschreiten!”
Lange Zeit sagte niemand etwas. Ich selbst lehnte inzwischen an dem Baum und schaute in den Himmel. Die Grillen zirpten ihr Lied in der sanften Abenddämmerung und der Wind ließ das Gras dann und wann leise Rascheln. Es war so friedlich diesem Moment, dass ich fast sogar die Schmerzen vergaß, die mich in den letzten Tagen so gepeinigt hatten.

Ich dachte über Rylas Worte nach. Sie reiste nun wirklich schon eine lange Zeit mit uns und hatte einige Abenteuer mit uns erlebt. Aber sie hatte Recht. Sie stand immer etwas abseits von uns. Seit wir den Goblins in Pandaria auf der Spur gewesen waren hatte sie uns begleitet. Langsam kehrten die Erinnerungen an die letzten Ereignisse zurück und ich besann mich, dass wir Hinweise erhalten hatten, die uns ins Nördliche Brachland führten.
Ein Schmunzeln schlich sich in mein Gesicht, als ich daran dachte, wie wir auf der Suche nach Hinweisen eines der Häuser dieser P.L.O.T. GmbH in Rauch aufgingen ließen. Seit diesem Ereignis hatten wir dann auch einige zwielichtige Goblins an unserer Seite. Ich erinnerte mich, wie wir auf dem Schiff der so genannten Rotfaustpiraten unterwegs waren und uns dann auf einem Dampfer dieser seltsamen Organisation als Söldner ausgegeben hatten… Ryla hatte sich damals schon sehr als gute Fährtenleserin bewiesen und ihren Stellenwert innerhalb der Gruppe untermauert.



Allerdings…  ich schaute zu der Blutelfe und betrachtete sie nachdenklich. Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als Meister Nebelpranke mir zuvor kam: “Ich habe keinen Grund für euch. Ihr seid eures Glückes Schmied. Ihr müsst auf eure Gefühle hören. Wenn ihr nicht wollt, wird euch keiner zwingen.”
“Wir können diese Wa'l nicht für euch treffen. Doch seid ihr willkommen, zu bleiben. Und vielleicht sogar zu lernen.”
Ich lehnte mich erschöpft gegen den Baum an dem ich lehnte. Und meine Gedanken kreisten erneut über den vergangenen Wochen. Nachdem wir für uns entschieden hatten, dass die Jagd nach den Goblins und dieser merkwürdigen GmbH keinen Sinn für uns und unseren Orden hatte, waren wir in Feralas für eine Zeit geblieben. Wenn ich genau darüber nachdachte, begann auch dort das ganze Unglück…


Erst begegneten wir diesem seltsamen Piraten, der uns mitteilte, dass einer unserer Begleiter wohl gesucht würde. Mich interessierte das in dem Moment herzlich wenig, da ich es nur als eine Geschichte abtat, die hochgeputscht wurde. Dann jedoch geschah es erneut.
Ein Troll kam in unser Lager, welches wir in Camp Mojache aufgeschlagen hatten. Es war zu später Stunde und die meisten unserer Begleiter schliefen schon fest. Lediglich Ryla, Kao An und ich waren noch wach und unterhielten uns leise abseits des Geschehens. Ich erinnerte mich düster an diese Gestalt. An diese kalte und sachliche Stimme, die Art wie er sich bewegte und die berechnende Art und Weise, wie er seine Fragen stellte.

Der Troll fragte, ob wir einen Orc unter unseren Reisemitgliedern hätten und zeigte mir einen Steckbrief. Wenn ich nur daran dachte, lief es mir wieder eiskalt den Rücken hinunter. Als ich das Bild sah, konnte ich es kaum glauben. Es war zwar lediglich eine Zeichnung doch erkannte ich meinen treuen Freund auf den ersten Blick wieder. Rekdan.

Ich war noch nie besonders gut darin gewesen meine Gefühle zu verbergen. Ein Blick genügte also, um das Schicksal meines Freundes zu besiegeln.
Ich machte mir wegen dieses Augenblickes immer noch Vorwürfe. Hätte ich meine Worte anders gewählt, hätte ich meine Mimik im Griff gehabt… Ich seufze.
Das Grinsen, welches sich dann im Gesicht des Trolls wieder spiegelte sprach für sich. Er hatte mich durchschaut und damit begann alles Übel…

Ich hörte dem Gespräch nur nebensächlich zu und es zog an mir vorbei. Als ich meine Sinne langsam wieder der Außenwelt öffnete hörte ich Ryla, die mit fester Stimme sprach. Jedoch was man hinter der Fassade ihrer Stärken Stimme dennoch spürte war für mich deutlich herauszuhören. Angst.
“…seit Jahrzehnten hatte ich wirklich Angst. Ich dachte nur das, wenn wir schon kaum etwas ausrichten können... wie soll es dann den wehrlosen Leuten ergehen. Die nicht mal ein Schwert richtig halten können.”
Dann herrschte wieder kurze Zeit Stille ehe Jonathan leise sprach: “Eine Tragödie. I'r scheint jedoch eure...Probleme recht gut zu kennen. Doch anstatt sie anzugreifen… etwas dagegen zu tun, damit Ihr erfolgreich aus der Vergangen'eit lernen könnt… ist den Weg zu einer Art Erholung von diesem Trauma zu beenden... Anstatt dessen hüllt Ihr euch in Selbstzweifel, hängt Euch an etwaigen Fehlern auf... Die Dunkel'eit, auf die ich angespielt 'abe, vor einiger Zeit.”
“Im Gegenteil…”, sie schüttelte den Kopf, “Ihr missversteht meine Worte.”
“Erleuchtet mich.”, ich beobachtete aus den Augenwinkeln Jonathan, wie er fast schon regungslos da saß und vollkommen konzentriert auf Ryla war. Die Ruhe die er ausstrahlte erreichte auch mich. Einen Moment lang fragte ich mich, ob er das wissentlich tat, um mich zu schonen, oder ob er das unbewusst verursachte.
“Wenn wir die Uhr ein Jahr zurückdrehen würden, dann würde ich euch zustimmen... aber in dem Moment als ich meine Gemeinschaft verließ hatte ich mir vorgenommen diese Zweifel abzulegen. Zweifel führen direkt zum Misserfolg. Ich habe diesen Troll nicht getötet, womöglich wird Rekdan durch diese Tatsache sterben... Aber ich zweifle nicht an meinen Fähigkeiten. Ich lerne aus meinem Fehler indem ich trainiere... ich habe mich seit dem auf diesen Berg gestellt und dieses Szenario immer und immer wieder durchgespielt... damit das nie wieder passiert.”

Ich konnte es nun nicht verhindern, dass ich aufschnaubte. So ein Blödsinn!
Rylas Blick wanderte sofort zu mir und eine ihrer Brauen hob sich beinahe schon empört.
Ich seufzte einmal auf und sah dann direkt zu Ryla: “Verzeiht, das sich unhöflich wirke, aber…”, ich atmete lange aus und holte dann tief Luft ehe ich weitersprach, “Nun... Ihr redet davon aus Euren Fehlern zu lernen und doch redet Ihr die ganze Zeit davon, dass ihr Schuld hättet. Und meinem Erachten nach sind Schuld und das Eingeständnis eines Fehlers zwei vollkommen verschiedene Dinge. Darüber solltet Ihr Euch im Klaren sein.”
“Naja... dass ich Rekdan nicht mitgebracht habe ist eine Tatsache.”
Ich musste mich beherrschen nicht mit den Augen zu rollen. Die Elfe war ja schon fast genauso stur wie ich. “Aber Euch trifft dennoch keine Schuld. Wenn Ihr Euch gerne in ein "Was wäre wenn"-Szenario verstricken wollt... Bitte. Aber redet dann nicht davon, dass Ihr lediglich aus Euren Fehlern lernen wollt, wenn Ihr doch eigentlich einem inneren Konflikt erlegen seid.”
“Ihr Pandaren und euer seltsames Bild von der Welt... Ich habe mein Trauma überwunden, sonst würde ich diesen Kampf nicht führen.  Ich habe geschworen nie wieder einen Kameraden sterben zu lassen wenn ich es verhindern kann… darum geht es mir. Ich erwarte nicht das ihr meine Denkweise versteht... dafür kennen wir uns nicht lang genug. Und mein Schwur... ist mir heilig.“

Ich betrachtete die Elfe nachdenklich. Ich überlegte kurz, ob ich das was mir soeben durch den Kopf geschossen war aussprechen sollte, doch ehe ich es mich versah, fanden die Worte ihren Weg aus meinem Mund: “Das ist auch so etwas, was ich nicht nachvollziehen kann... Ihr sagt Ihr kennt uns nicht... Warum vertraut Ihr Euch dann uns an? Wenn wir Euch doch so fremd zu sein scheinen…”
Nun merkte ich, wie sie mit sich selbst rang. Diese Frage schien sie zu verunsichern. Zögernd begann sie zu sprechen: “Nun… Das einzige was mich stört ist, dass ich nicht weiß was Ihr eigentlich vor habt. Wofür ihr alle kämpft... Ich glaube, dass ihr gute Leute seid, aber das habe ich schon einmal von jemandem geglaubt. Ihr wollt Rekdan retten und nach Pandaria. Aber was dann ? Im Jadewald meditieren... oder das Land wiederaufbauen? Oder den Kampf auf eure Weise aufnehmen um zu verhindern das das da oben das Schicksal eines jeden wird.”
“Der Pfad des Feuers muss neu aufgebaut werden. Meister Tintenfell hat Meisterin Eispfote zu sich gerufen. Ich denke es wird noch einiges auf uns zu kommen.”, warf Tsuneyasu in das Gespräch mit ein.

Ich zögerte mit meiner Antwort. Einerseits hatte Tsuneyasu recht mit dem was er sagte allerdings war der Kern meiner Antwort in einer anderen Frage verankert: “Wofür ich kämpfe, kann ich Euch sagen. Ich kämpfe für meine Familie. Für meine Heimat. Für die die ich liebe. Ryla... Man kann nicht immer nur mit dem Kopf durch die Wand und die Welt im Ansturm retten. Man braucht Atempausen, um seine Kräfte zu sammeln. Einen Moment des Innehaltens, um zurück auf seinen Pfad zu gelangen. Eine Baustelle nach der anderen. Ein Teil des Puzzles muss ans andere angefügt werden.”
“Dann... tut es mir leid. Ich habe euer Land gesehen... und ich empfand diese Reise als sehr bildend und förderlich. Ich habe viel über mich selbst gelernt... Aber ich gedenke nicht in Pandaria zu hocken und... nun... irgendeinen Orden aufbauen über den ich nichts weiß.”
Tsuneyasu winkte ab: “Euch zwingt niemand. Und Ihr fragt nicht. Stellt Fragen und sie werden beantwortet.”
Ich konnte Rylas Gedankengänge fast schon hören. Sie schaute erst mich und dann Tsuneyasu und blieb schließlich bei mir hängen. Zögernd sprach sie die nächsten Worte aus: “Was... ist das... für ein Orden... was tut er?”

Ich richtete mich etwas auf und verziehe sogleich schmerzerfüllt das Gesicht. Dann schaute ich in die Flammen. Die Wärme des Feuers erreichte mich selbst durch meine Kleidung hindurch und gab mir ein Gefühl der Geborgenheit.
„Der Pfad des Feuers ist eine Gemeinschaft aus vielen verschiedenen Völkern, die gemeinsam durch die Welten streiften. Es begann alles mit einer einzigen Begegnung und formte sich mit der Zeit zu einem großen Ganzen…“, ich machte eine kurze Pause ehe ich langsam fortfuhr.
„Das Feuer symbolisiert die Hoffnung, die Wärme, die Leidenschaft mit der wir alle unsere Taten vollbringen und sie ist der Antrieb der uns dazu bringt über uns hinaus zu wachsen.“

„Das beantwortet nicht meine Frage, Arashi... Ich weiß nichts über eure Leitbilder... und Hoffnung… kann auf viele Weisen interpretiert werden.“
Ich nicke langsam: „Das wie mag sich Eurem Verständnis vielleicht entziehen aber jede Handlung mit der wir unsere Heimat unterstützen, hilft dabei der Verderbtheit entgegen zu wirken. Und jeder, der seinen Teil dazu beiträgt ist herzlich willkommen. Anders kann ich unseren Orden nicht beschreiben. Wir sind keine Armee, keien Organisation oder dergleichen. Wir lassen uns unseren Pfad durch das Feuer das in uns lodert zeigen und…“, schlagartig überfiel mich erneut Übelkeit  und ich hielt mir eine Pfote vor den Magen und verzog schmerzerfüllt das Gesicht.

„ ´ier, trinkt etwas Tee.“ Jonathan reichte mir die lauwarme Kanne.

„Wenn Euch das nicht reicht, Ryla und Ihr lieber Euren eigenen Weg gehen wollt, dann bitte.“ ich nahm die Kanne etwas zittrig entgegen und stellte sie vor mir ab. Ich griff nach meiner Tasche, die an meiner Hüfte baumelte und holte daraus den Becher hervor, den Jonathan mir einst geschenkt hatte und schenkte mir etwas von dem Tee ein. Ich führte den Becher langsam und mit beiden Pfoten zum Mund und nahm kleine langsame Schlucke.

„Eure Heimat ist aber nicht meine Heimat. Bedenkt das bitte... Ich werde mich nun ausruhen.... ich werde euch helfen Rekdan zu retten...alles weitere sehen wir dann.“

„Es ist alles eine Sache der Betrachtung. Für den einen ist Heimat, wo er aufgewachsen ist. Doch ist Heimat nicht gleichermaßen dort, wo unser Herz am höchsten schlägt?“, meinte ich leise murmelnd.

„Wir sollten uns alle ausruhen.“, Tsuneyasu schaute mich mahnend an und ich nickte ihm sacht zu. „Meisterin, soll ich die Nebel rufen?“
Ich nickte langsam auf sein Angebot hin, die Nebel würden mir helfen die Wunden genesen zu lassen und meinem Körper Kraft schenken, um weiter zu gehen. „Habt Dank Tsuneyasu, ich möchte so bald wie möglich wieder Aufbruch bereit sein.“
Ich sah, wie Tsuneyasu seine Augen schloss und begann einige pandarische Worte zu murmeln. Sie klangen in meinen Ohren wie die Musik, die mir früher von Onkel Han vorgesungen wurden. Ich lächelte und schloss die Augen, kurz bevor Dunkelheit mich umhüllte sah ich, wie aus den Schulterstücken des Meisters Nebel in Form der Jadeschlange zum Vorschein kamen.
Ich fühlte förmlich wie der Nebel um mich herum tanzte und ich die heilende warme Berührung in mir aufnahm. Ich hielt in meinen Pfoten immer noch den warmen Becher voll Tee. Der Geruch stieg mir in die Nase und ich atmete tief ein und wieder aus. Ich öffnete die Augen und lächelte Tsuneyasu dankend an. Eine Weile sagte niemand etwas und ich ließ mich auf die Seite sinken, bettete meinen Kopf auf meinem Arm und schaute in die schwächer glimmenden Flammen. Nichts war zu hören außer dem Prasseln des Feuers und das sanfte Rascheln des Farns.

Jonathan durchbrach die Stille als erstes: „Sie wirkt gebrochen… Sie widerspricht sich selbst, in ihrem Worten, ihren Taten…“, er brauchte nicht zu sagen, wen er meinte. Wir alle wussten es.

Ich nickte nickt langsam: „Sie braucht etwas Leitung in ihren nächsten Schritten. Sie wirkt... verloren in meinen Augen. In ihren Worten und Taten sehe ich vieles, was nicht sein sollte.“

„Sie hat viel durchgemacht. Sie braucht vor allem Zeit und Freunde, die ihr beistehen. Und ich zweifle nicht daran, dass wir diese Freunde sein können.“, Tsuneyasu erhob sich beinahe lautlos und setzt sich nicht weit von mir an den Baum und lehnte sich dort an den Stamm. Es dauerte nicht lange, dann hörte man ein leises Brummen.

Er schien wohl eingeschlafen zu sein. Jonathan erhob sich nun auch und meinte, dass er Wache halten würde. Ich nickte nur langsam und schaute weiter in die Flammen. Das Knistern das von dem Lagerfeuer ausging hatte etwas Beruhigendes. Meine Lider wurden immer schwerer und schwerer bis ich in einen sanften Schlaf gehüllt wurde…
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