Kapitel 14: Schritt für Schritt

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Kapitel 14: Schritt für Schritt

Beitrag von Arashi Eispfote am Mo Okt 09, 2017 7:50 am

Kapitel 14: "Schritt für Schritt"

von Arashi Eispfote

Die Vögel zwitscherten und das Laub des Baumes unter dem wir gerastet hatten rauschte in der sanften Brise, die sanft über uns hinweg. Ich öffnete meine Augen und setzte mich vorsichtig auf. Ich war immer noch angeschlagen, doch ich konnte es den anderen und vor allem nicht Makrall zumuten noch länger wegen mir hier zu rasten. Wir waren nun schon mehrere Tage hier gewesen, hatten unsrere Vorräte aufgestockt und Vorbereitungen getroffen. Doch ich spürte die Unruhe die vorherrschte.

Makrall betrachtete mich kalt und zog an seinem Kräuterstängel. Er saß nicht weit von mir entfernt ich öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann aber sogleich wieder. Nichts was ich sagen würde, könnte den Troll umstimmen oder seine Trauer in irgendeiner Form mindern. Also ließ ich es bleiben und sah statt dessen zu Hiyuu, die mich eben gefragt hatte, wie es mir ginge.

Ich schaute zu Hiyuu und sah sie mit einem Blick an, der schwer zu deuten sein musste: “Wie soll es mir schon gehen. Tsuneyasu, Ryla und Jonathan haben mir gestern berichtet, was geschehen ist.”, ich ballte unbewusst die Fäuste und presste die Lippen aufeinander. Schuldgefühle. Das fühlte ich von all dem Schmerz, der in mir tobte am meisten. Bodenlose Schuld. Ich versuchte die Gedanken zu vertreiben und nach vorne zu blicken, denn noch war nicht alles verloren!

Makrall schnaubte abwertend aus und warf seinen aufgerauchten Stängel weg, nur um sich einen neuen anzuzünden: “Dann weiste ja, dass du ganz schön verkackt hast , Mann.”

Hiyuu sah Makrall strafend an und setzte sich neben mich: “Meisterin Arashi wie seit Ihr.... also wie ist das eigentlich passiert?”, Kao An, Lanli und auch die anderen schauen mit einem Mal interessiert zu mir. Scheinbar interessierte sie dieses kleine Detail wohl auch am meisten.

Verständlich. Immerhin war es ja mehr als nur fragwürdig, wie eine Meisterin in eine solch prekäre Situation geraten konnte. Allerdings entschied ich mich dagegen ihnen die Wahrheit zu sagen und tischte ihnen stattdessen eine sehr abgespeckte Version der Geschichte auf...

“Ich weiß, dass ich nicht unbedingt besonders schlau gehandelt habe. Ich bin eigentlich nur in den Wald, um einige Erkundungen durchzuführen. Ich wollte sehen, ob ich nicht doch etwas herausfinden kann…”, ich hielt kurz inne, um meine Gedanken zu sammeln. “...doch ich geriet in einen Hinterhalt. Der Troll überwältigte mich kurzerhand und nun ja... den Rest kennt ihr ja schon.”, ich spürte Makralls Blick auf mir und biss mir auf die Unterlippe.

Im Nachhinein betrachtet, hätte ich ihnen einfach die Wahrheit erzählen können… Allerdings war es eigentlich egal, welche Version der Geschichte sie hörten… Beide liefen auf dasselbe unglückliche Ergebnis hinaus. Ich gefangen von einem Troll, nahe dem Tod und Rekdan war verschwunden. Das ich eigentlich vorhatte, die Schuld auf mich zu nehmen und Rekdan zu entlasten behielt ich für mich… Es war eh eine blödsinnige und unrealistische Idee gewesen.

“Aber woher wusste er, dass er durch euch an Rekdan kommt?”, Hiyuu riss mich aus meinen Gedanken. Ich schaute sie an und antwortete ihr mit bemerkenswert ruhiger Stimme, die gar nicht zu meinem aufgewühlten Gemütszustand passen wollte: “Wir trafen schon einmal aufeinander. Da habt Ihr allerdings schon geschlafen. Er wusste somit, dass wir in Verbindung zueinander stehen.”

Kao an nickte: “Ich erinnere mich, dann war es der selbe Troll, wie an dem Tag als ihr mich aufgelesen habt?”

“So ist es.”

Schweigen. Dann ergriff Gorzag das Wort. Er schaute mich direkt an und hatte ein Ruhe in seiner tiefen und rauen Stimme, die mich etwas von meinem aufgewühlten Gemütszustand herunter holte: “Euch trifft am wenigsten Schuld, Eispfote. Dieser Troll ist mir schon vor einigen Wochen über den Weg gelaufen. Eines Tages musste er sein Ziel wohl erreichen. Auf dem einen, oder anderen Weg.”

“Er hat Recht,Meisterin. Ihr müsst Euch für nichts schämen.”, Kao An lächelte mir zu und ich erwiderte dieses.

“Eine wahre Meisterleistung , Mann. Natürlich ist das ihre Schuld!”, Makrall zog erneut an seinem Kräuterstängel und starrte weiterhin unentwegt auf mich. Ich zuckte bei seinen Worten kaum merklich zusammen.

"Also wäre es auch eure Schuld gewesen, wenn dieser Troll euch aus dem Hinterhalt angegriffen und entführt hätte?", Gorzag schnaubte und ich sah, wie Kao An mit den Augen rollte. Sie ergriffen einer nach dem anderen Partei für mich. Doch ich kam nicht umhin ihnen zu widersprechen: “Er hat schon Recht. Ich hätte nicht allein los ziehen dürfen. Allerdings heißt das nicht, dass alles verloren ist.”

“Ich muss unserem kettenrauchenden Freund da leider zustimmen. Es war unvorsichtig. Gerade für eine Meisterin eine sehr merkwürdige Handlung.”, ich sah zu Lanli und dann wieder zu Makrall. Wie sehr mich diese Worte verletzten gab ich äußerlich nicht preis. Wenn sie wüssten, warum...

“Und was machen wir jetzt. Folgen wir ihm, um Rekdan zu retten?”, Hiyuu lenkte das Gespräch auf das Wesentliche zurück. Ich wendete meinen Blick von Makrall ab und nickte Ihr zu: “Wir werden die Verfolgung aufnehmen und zumindest unser Möglichstes versuchen.”

Damit brachen wir auf. Ryla ließ mich auf ihrem Wolf reiten, um mir den Weg etwas zu erleichtern. Ich dankte Ihr innerlich, dass ich nicht laufen musste. Ich war zugegebenermaßen noch recht schwach auf den Beinen.

So gingen wir los. Ryla bewies uns ihre Künste als Fährtenleserin und wir folgten den Spuren des Trolls und seines Raptors in der Hoffnung, dass sie uns zu unserem treuen Begleiter führen würden. Wir waren schon mehrere Stunden unterwegs und ich merkte zunehmends, dass es mir immer schwerer fiel auf dem Reittier sitzen zu bleiben. Ich biss die Zähne zusammen und versuchte mich am Riemen zu reißen.

Ich durfte die anderen nicht schon wieder aufhalten. Plötzlich hielten die anderen an und auch der Wolf machte ruckartig halt. Ich klammerte mich fest und versuchte schnell die Ursache des Haltes auszumachen. Ich brauchte gar nicht lange zu suchen und da sah ich schon den Grund. Ein Orc stand einige Meter vor uns inmitten des öden Brachlandes und begutachtete uns. Im ersten Moment dachte ich, es wäre Rekdan, der da vor uns stünde. Ein Glücksgefühl breitete sich in mir aus, welches jedoch durch den Klang der Stimme des Orcs zunichte gemacht wurde...

“Throm'ka.”, ich versuchte mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen und nickte ihm zu.

“Was will der Vogel denn jetzt , Mann. Wir müssen Rekdan finden!”, Makrall schnaubte und zog intensiver als notwendig an seinem Stängel und warf ihn dann im hohen Bogen davon, nur um sich einen weiteren anzustecken.

Der fremde Orc stemmte die Hände an seine Seiten und mustert vorerst die Pandaren, er brummt "Ich vermute, ihr versucht ins Nördliche Brachland zu kommen..."

“Verzeiht, wir möchten nicht unhöflich sein.”, wir hatten keine Zeit uns mit ihm auseinander zu setzen. Das war nicht Rekdan, also war er immer noch in Gefahr. “Aber wir müssen weiter. Aber mit Eurer Annahme habt ihr recht.”

“Mhh.. Direkt durch die Narbe? Etwas zu gefährlich, meint Ihr nicht? Ein etwas sicherer aber längerer Weg führt durch das Steinkrallengebirge... allerdings ist der Weg natürlich auch länger.Das ist allerdings…”, er deutete dann mit einer Hand auf mich, “...Eure Entscheidung, mh?”

Aus den Augenwinkeln sah ich, wie Ryla eine Hand an ihr Schwert legte und den Orc wachsamen Blickes musterte.

Ich nickte ihm bestätigend zu: “So ist es und wir haben es leider sehr eilig. Aber habt Dank für Euren Rat.”, ich neigte den Kopf, als Zeichen des Respekts und er erwiderte dieses.

“Ich kenne dieses Gebiet etwas länger, wenn es Euch und eures Clans nichts ausmacht kann Ich Euch begleiten, mh?”, das hatte ich zugegebenermaßen nicht erwartet und wusste erst einmal nichts darauf zu erwidern. Ich schaute nach hinten zu meinen Begleitern und versuchte in ihren Gesichtern eine Reaktion abzulesen.

Kao An trat näher zu mir und sagte auf pandarisch: “Ist das nicht ein wenig gefährlich? Er scheint Soldat der Horde zu sein. Wenn er erfährt, was wir vorhaben, dann…”, ich unterbrach ihn mit einer knappen Pfotenbewegung und nickte ihm zu. Dasselbe hatte ich auch gedacht.

Ich wollte dem Orc nicht vor den Kopf stoßen, jedoch hatten wir in diesem Fall keine andere Wahl. Ich hob meine Stimme un schaute ihn mit festem Blick an: “Danke für Euer Angebot. Aber wir werden vorerst alleine weiter ziehen.”, ich lächelte gezwungen.Er musterte jeden von uns und nickte. Seine Augenbrauen waren skeptisch nach oben gezogen. Er drehte sich dennoch etwas nach links und deutete mit dem Finger und dem Arm ausgestreckt den Weg hinauf: "Dann geht dort entlang. Hier endet der Pfad."

“Vielleicht begegnet man sich zu einem... anderen Zeitpunkt erneut. Möge Huo Eure Pfade erhellen.”, ich gab Ryla ein Zeichen, dass sie weitergehen sollte und neigte erneut den Kopf als Andeutung einer leichten Verbeugung.

“Dabu. Sichere Wege.”

Ich sah aus den Augenwinkeln Gorzag. Er nickte dem Orc zu und klopfte sich wieder mit der rechten Hand auf die Brust: "Geht mit Ehre, Bruder."

Und so zogen wir weiter. Es wurde zunehmend dunkler und der Ritt auf dem Wolf forderte meine ganze Kraft. Ich schaffte es kaum mehr meine Augen offen zu halten und wankte sichtlich auf dem Wolf hin und her. Ich bemerkte am Rande, wie Kao An und Hiyuu sich links und rechts neben dem Wolf einfanden, um mich zu stützen. Dann machten wir wieder halt.

Ich realisierte es nur beiläufig. Meine ganze Konzentration lag darauf nicht von diesem Wolf hinunter zu kippen. Wie durch einen Schleier hörte ich, wie die anderen sich unterhielten. Ich hörte eine neue weibliche Stimme. Ich hörte Hiyuu, wie sie vorschlug Rast zu machen, damit ich mich ausruhen konnte und ich schüttelte wie in Trance mit dem Kopf, murmelte etwas vor mich her und versuchte deutlich zu machen, dass wir weiter mussten. Erneut hörte ich Gerede und Gemurmel. Die Worte machten keinen Sinn mehr für mich. Ich hörte sie aber ich verstand sie nicht richtig.Den einzigen Gedanken, den ich klar fassen konnte war: Wir müssen Rekdan finden!

Plötzlich verlor ich jedweden Halt und kippte seitlich weg. Ich spürte wie ich von jemandem aufgefangen wurde und man mich irgendwohin trug. Ich hörte Gorzag mit seiner kraftvollen Stimme sagen: "Bringt EIspfote zu den Büschen und schlagt das Lager verdeckt auf. So nah am Weg müssen wir aufpassen.” Ich konnte sehen, das Kao An es war, der mich trug. Er setzte mich am Stamm eines Baumes ab, an den ich mich dann anlehnte. Die Hitze zusammen mit meinem geschwächten Zustand schien mich außer Gefecht gesetzt zu haben.

Ich hörte aus der Ferne wie jemand fragte: “Ohje! Was ist mit ihr?”

“Scheint als würde sie das nicht schaffen Rekdan zu finden ,Mann. Ich schlage vor wir lassen sie hier liegen.”

Ich sah, wie sich Kao Ans Lippen bewegten und dann spürte ich eine wärmende Energie, ähnlich wie ich sie damals bei Yuan gespürt hatte. Ich lächelte innerlich. Er war wahrlich Yuans Schüler und Meister Tintenfell hatte Glück einen solchen talentierten Novizen zu haben...

“Was ist denn nun mit ihr?”, hakte die weibliche Stimme nach.

“Meisterin Eispfote wurde leider von einem Troll vergiftet und diese kuriert sich gerade aus.”, das war Gorzags Stimme. Langsam kehrte wieder Kraft in meine Glieder und ich setzte mich etwas auf und sah mich um.

"Arashi?", die Stimme Klang mit einem Mal ganz aufgeregt"...Eispfote? Arashi Eispfote?"

"Kennt ihr sie?"

Ich beobachtete wie eine fremde Pandaren auf mich zukam und mich direkt anschaute. Ihr Blick war besorgt und ihre Stimme weich und mitfühlend: "Gibt...es irgendetwas was ich tun kann?", sie schaue erst Hiyuu und dann Kao An an. Sie schüttelten beide jedoch nur stumm den Kopf. Die Pandaren schaute dann wieder zu mir, die Brauen leicht zusammengezogen und ein sanftes Lächeln aufgesetzt: "Kleines Eispfötchen...es ist nicht gerade ein schöner Augenblick für ein Wiedersehen, nicht wahr?"

“Kenne ich Euch?”, ich musterte die Pandaren vor mir genauer.Es stimmte, sie kam mir entfernt bekannt vor. Konnte das möglich sein?

Die Pandarendame lächelte mich weiterhin sachte an: "Erinnert ihr Euch noch an Lu?"

Und wie ich mich erinnerte! Diese Pandaren war oft mit meiner älteren Schwester zusammen gewesen. Damals noch auf der wandernden Insel… Trotz dessen, dass sie einige Jahre älter war als ich, hatte ich mich schon damals sehr gut mit ihr verstanden.

Als ich damals beschloss Shen-zin Su zu verlassen, um Shiori auf ihrer Reise zu folgen, hätte ich nicht gedacht Lu noch einmal wieder zu sehen.

Die Sonne sank während unseres Gespräches immer tiefer bis sie die Landschaft in ein dunkles Rot tauchte. Wir würden noch einige Tage rasten, damit ich vollständig auskuriert war.
Wenn ich diesen Troll in die Pfoten bekomme…
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