Kapitel 15: In Erinnerung an...

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Kapitel 15: In Erinnerung an...

Beitrag von Arashi Eispfote am Mi Okt 11, 2017 12:03 pm

Kapitel 15: In Erinnerung an...

von Arashi Eispfote

Zwei Tage später brachen wir auf. Ich hatte viel meditiert und mein Chi genutzt, um mich selbst zu heilen das meine Kräfte neu aufzufrischen. Tsuneyasus heilende Wogen hatten zudem auch ihr Gutes getan.

Nichts desto trotz nagten immer noch die Schuldgefühle an mir…  Das war etwas, dass sich nicht durch einfache Meditation aus dem Weg räumen ließ. Ryla ging voraus. Sie folgte den Spuren, die sie im hohen Gras fand und sie führten uns direkt zu einem kleinen Lager. Ganz in der Nähe war allerdings ein Stützpunkt der Allianz. Tsuneyasu erklärte sich schnell bereit, sich auf die Lauer zu legen und sicher zu stellen, dass wir ungestört blieben.

“Wir sollten vielleicht nicht alle auf einmal dort hinein gehen… um keine Spuren zu verwischen”, merkte ich an. Im Hinterkopf hatte ich allerdings einen ganz anderen Gedanken. Was wenn wir Rekdan tot auffangen oder verstümmelt oder sonst etwas? Ich wollte das meiner jungen Novizin nicht zumuten. Ich sagte zu Ryla, dass sie sich drei fähige Leute nehmen sollte, um das Lager zu durchsuchen.

Ihre Wahl fiel auf Gorzag, Kao An, Jonathan und mich. Ich nickte und trat vorsichtig einen Schritt vor den anderen. Die anderen taten es mir gleich. Jeder durchforstete ein Areal des Lagers. Ich sog Luft ein. Was ich erschnupperte gefiel mir ganz und gar nicht. Ich roch Blut.

Ich schob das hohe Gras etwas zur Seite und schnappte nach Luft. Erschrocken hielt ich mir beide Pfoten vor den Mund. Da lag eine sauber abgetrennte Hand. Eine Hand mit einem mir sehr vertrauten, markantem Grünton. Jonathan, der wohl auf meine Reaktion hin geschlussfolgert hatte, dass mein Fund etwas mit Rekdan zu tun haben könnte, kam zu mir und sah ebenfalls ins Gras.

"Ja das ist definitiv die ‘And eines Orcs. “, meinte er trocken. Ich hingegen wendete mich ab. Ich konnte es nicht verhindern, dass mir leise Tränen die Wangen runter rollten. Ich spürte die Blicke auf mir, doch es war mir gleich. So nah. Wir waren Rekdan so nah gewesen. Ich schluchzte kurz auf, sammelte mich wieder und wischte mir dann die Tränen weg.

Es war keine Zeit für so etwas, vielleicht gab es hier noch mehr Spuren. Hinweise, wo er sich aufhalten könnte. Ich wendete mich dann um, um in Erfahrung zu bringen, was die anderen entdeckt hatten.

Sie offenbarten den Troll. Oder vielmehr was von ihm übrig war. Egal was vorgefallen war: Rekdan hatte trotz oder vielleicht sogar gerade wegen seines angeschlagenen Zustandes dem Troll das zurück gezahlt, was er verdient hatte. Ich ballte die Faust und wendete mich ab.

Ich sah mich um, die meisten standen nun bei der Trollleiche. Eigentlich sogar alle bis auf…  Ryla. Die Fährtenleserin stand am Haus und starrte auf ein Blatt Pergament. Ich sah schon aus der Ferne die dunkelrote und blutverschmierte Schrift. Sie kam langsam auf uns zu und hielt dabei immer noch jenes Papier in den Händen. Ich schaute sie erwartungsvoll an. Es war mehr als offensichtlich, was sie in ihren Händen hielt und meine Anspannung stieg. Alles in mir wollte, dass ich Ryla den Zettel aus ihren kleinen Händen riss, doch ich zwang mich zur Ruhe.

Sie sah mich an und las dann mit sachlicher Tonlage vor: “Wer mich sucht, findet nur den Tod.”, ich erstarrte für einen Moment, schüttelte dann den Kopf und streckte den linken Arm vor. Ryla reichte mir den verschmierten Zettel und ich las es selbst noch einmal.

Wer mich sucht, findet nur den Tod. Ich wiederholte diesen Satz immer und immer wieder in meinem Kopf. Wer mich sucht, findet nur den Tod. Es war klar, dass er damit etwaige Verfolger abschrecken wollte… Allerdings… Warum, war er nicht zu un zurück gekommen? Wer mich sucht, findet nur den Tod. Warum hat er sich dazu entschlossen uns zu verlassen? Wusste er nicht, dass wir alles tun würden, um ihn zu schützen? Wer mich sucht, findet nur den Tod…

Ich ballte die Fäuste. Natürlich wusste ich, warum er nicht zu uns zurückkehren wollte. Er wollte keinen von uns in Gefahr bringen! Wer mich sucht, findet nur den Tod. Pah. Die anderen diskutierten über die Chancen ihn zu finden. Aber ein Jäger wie er es ist… Das war ein fast unmögliches Unterfangen.

Die Ereignisse rauschten an mir vorbei. Ich registrierte, dass wir gingen. Ich hörte Tsuneyasu sagen, dass wir nach Pandaria aufbrechen sollten. Er hatte wahrscheinlich recht. Jetzt aktuell hielt mich persönlich nicht viel auf Kalimdor. Wir sollten neue Kräfte tanken und zudem galt es einen Orden aufzubauen
Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte mir gerade nicht über so etwas den Kopf zerbrechen…

Wir waren ein ganzes Stück gegangen und rasteten an einer Lichtung, an der ich vor vielen vielen Monaten zusammen mit Yuan und Enlai gesessen… es sah fast so aus wie damals...

Die anderen legten ihre Sachen ab und stellten sich auf eine längere Rast ein. Ich setzte mich etwas abseits hin und hing meinen Gedanken nach. Hiyuu und Kao An setzten sich zu mir. Auch Nicolas Kiesenbach, der uns seit einigen wenigen Tagen begleitete setzte sich zu uns. Er friemelte aus seiner Tasche eine Kattegat an der ein kleiner leuchtend roter Kristall hing. Er streckte ihn mir entgegen und ich nahm ihn verwundert und auch etwas misstrauisch entgegen. Ich wusste nicht, was ich von dieser Gestalt halten sollte.

Als er mir jedoch erklärte, was es damit auf sich hatte, verschlug es mir fast den Atem. Er sagte, dass dieser Kristall ein Bindeglied zwischen mir und Rekdan sein würde. Dass ich, wenn ich mich stark darauf konzentrieren würde, Rekdan sehen könnte. Ich hielt den Atem an, legte die Kette um und schloss den kleinen Kristall in meine linke Pfote.

"Gut so und nun

Ich rief alle Erinnerungen an Rekdan auf, die mir einfielen. Gute wie schlechte. Unsere Gespräche, die Diskussionen, sein störrisches Verhalten! Und dann sah ich ihn. Er saß vor einem Lagerfeuer in einer Höhle, wo konnte ich nicht sagen.. Er sah etwas blass aus und man konnte deutlich seinen Stumpf sehen. Plötzlich schien er genau mich anzusehen und er lächelte. Dann verschwand das Bild.

“Kann er… Kann er mich etwa auch sehen?“, ich schaute den Verlassenen fragend an und ließ die Kette los. Er schüttelte den Kopf. “Er spürt dass er beobachtet wird. Wer ihn beobachtet, kann er allerdings nicht erschließen. Er wird wahrscheinlich denken, dass ich es bin, der ihn im Blick hat. Da es ja auch meine Kette ist.”

Ich nickte. Rekdan lebt. Das ist etwas Gutes. Auch wenn der Verlust enorm war, ihn nicht mehr bei uns zu wissen, so hatten wir wenigstens einen Hauch von Hoffnung, ihn irgendwann wieder zu sehen...
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