Kao An Winterlicht: Ein Besuch Zuhaus

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Kao An Winterlicht: Ein Besuch Zuhaus

Beitrag von Yuan am Fr Apr 13, 2018 6:20 pm

- Ein Besuch Zuhaus -

„Und dann! Hob Dakarel seine Axt und...“. Der Pandaren hob seine Hand hoch in die Luft und während die Reihen der gespannt lauschenden Kinder gleichsam vor Aufregung Atem holten, sauste die Pfote des Erzähler mit einem lauten Knall auf die Tischplatte. „...und schlug den bösen Ork mit einem einzigen Schlag in zwei Hälften. Die Meisterin beschäftigte derweil den vorwitzigen Troll am Flussufer. Mit wilden Schlägen Links und Rechts verpasste sie dem Unhold eine kräftige Abreibung! Der Meister Pique derweil kümmerte sich um die listige Elfe, die sich zwischen den Bäumen versteckt hatte. Auch bei ihm flogen die Fäuste schnell wie bei einem Ho Zen und stark wie eine Tigerpranke. Die flinke Ryla machte währenddessen mit ihrem Bogen jagd auf die Schützin, die sich auf den Ruinen verborgen hielt...“.

So ging es nun schon seit Tagen und Kao An wurde nicht müde jede der spannenden Geschichten auch drei- oder viermal zu erzählen. Wann immer die Jünger Xuens in ihrem Tempel eine Stunde entbehren konnten, versammelten sie sich vor ihrem weitgereisten Bruder und lauschten gefesselt seinen Erzählungen. Kao An selbst genoss seinen Aufenthalt im Tempel. Nicht der Aufmerksamkeit wegen, sondern weil er seine geliebten Berge, das kühle Wetter, das herrlich klare Licht des Gebirges und seine Heimat, den Tempel des weißen Tigers, wieder sah. Und am aller meisten wohl hatte er sich auf das Wiedersehen mit seinem Meister gefreut, der immer wie ein zweiter Vater für ihn gewesenen war und ihn auf den erfüllenden Weg des Reisens und Heimkehrens geführt hatte.

Am morgen des letzten Tages seines Aufenthalts, stand Kao An vor der Türe des Arbeitszimmers seines Lehrers Yuan Tintenfell, um ihm einen letzten Besuch abzustatten. Es war doch seltsam dachte der Pandaren für einen kurzen Augenblick. Er dachte daran, wie er vor Monaten eben vor dieser Türe gestanden hatte und kleinlaut vor den Meister trat, nachdem er durch die Phiolosophieprüfung gefallen war, nur um von ihm zu Meisterin Arashi und ihrem Orden geschickt zu werden. Es war ihm als sei es Gestern gewesen und doch vor einer Ewigkeit. Er betrat das Zimmer des Meisters. Es schien unverändert, war wie gewohnt durcheinander und ungeordnet, der stets an der Schwelle zum Jenseits stehende Bonsai auf der Fensterbank zeigte tapfer ein paar grüne Blätter und die Bücher und Papiere stapelten sich bis unter die Decke. Nur eine Neuerung stach Kao An sofort ins Auge. An einer der Wände hing eine Tuschezeichnung. Ob sie einfach nur schlecht oder sehr abstrakt war konnte er schwer beurteilen, jedoch erkannte er die unverkennbaren Formen der exotischen Bäume Nordends, die er selbst bei den Festspielen gesehen hatte. Ein Lächeln kam ihm bei diesem Anblick über die Lippen, bevor er sich ehrfürchtig vor seinem Meister verneigte. „Hallo Kao An, wie geht es dir? Setz dich und nimm Platz mein Junge. Wie ist es dir hier ergangen? Hast du auch alles wieder erkannt? Oder hattest du uns hier oben schon vergessen?“ Der Meister schmunzelte und räumte die Arbeitsfläche seines Tisches zwischen ihnen frei. „Es war wirklich großartig Meister. Ich glaube ich habe erst durch meine lange Abwesenheit bemerkt wie viel mir dieser Ort eigentlich bedeutet und dass ein Teil von mir immer hier im Tempel war. Aber auch das Fortsein, das Wandern und Reisen zusammen mit meinen neuen Freunden war… es ist schwer das zu beschreiben.“ Meister Tintenfell zog einen Mundwinkel hoch und betrachtete kurz schweigend seinen Schüler. „Ich weiß was du meinst Kao. Du sprichst mir aus der Seele.“ Der Meister fuhr sich kurz durch den Bart und lies für einen Augenblick seinen Blick in die Ferne gleiten, bevor er wie verwundert über eine plötzliche Verwandlung über seinen Schüler lächelnd den Kopf schüttelte. „Du hast dich verändert Kao An. Es ist als sei es Sommer geworden und die Saat beginne auf den Feldern zu reifen.“ Kao An deutete eine knappe Verbeugung an. „Habt Dank Meister. Ich fühle mich auch in der Tat verändert. Und ich weiß nicht, ob ich je diese Veränderung ohne Euch geschafft hätte. Dafür möchte ich Euch noch einmal danken.“ Der ältere Pandaren lächelte. Er hatte viele Schüler und obwohl er jeden gleichsam in sein Herz schloss, so war er doch auf Kao An besonders stolz. „Ich habe nur den Stein angestoßen. Alles weitere hast du selbst und zusammen mit den anderen erreicht.“ Mit diesen Worten zog er kleines Päckchen hervor. „Licht und Stärke gehen Hand in Hand Kao An und in deinem Herzen beginnen sie wahrlich hell zu leuchten. Es wäre eine Schande würdest du nicht ein paar Scheite nachlegen.“ Der Meister lachte herzhaft und drückte das Schreiben seinem Schüler in die Pfote. „Gib das hier bitte der Meisterin und grüß sie, Hiyuu, Thuan und all die anderen bitte herzlich von mir.“ Kao An erhob sich, schob den Brief unter seinen Kragen und verneigte sich mit einem lachendem und einem weinenden Auge vor seinem Lehrer. „Möge das Licht dir den Weg weisen, Stärke dich voranbringen und Xuen über dich wachen Kao An.“ Der Meister senkte sein Haupt zu einer Verbeugung. „Möge der weiße Tiger auch über Euch und den Kun Lai wachen Meister.“ Freudig und zugleich mit einer Träne im Auge warf Kao An seinen Seesack, der vor Türe auf ihn gewartet hatte, über die Schulter und machte sich wieder auf in die Ferne.

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