Kao An Winterlicht: ein Brief an den Meister I

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Kao An Winterlicht: ein Brief an den Meister I

Beitrag von Yuan am Di Okt 03, 2017 7:40 pm

Eisig fauchten die kalten Winde um den stämmigen Pandaren, der an einer Leine ein großes Yak hinter sich durch den Schneesturm führte. Immer wieder stopte das Tier und schien den Sturm aussitzen zu wollen. "Nun komm schon alter Fussel! Die meisten Briefe tragen sich nicht von selber aus!" Ungeduldig zerrte der Pandaren an dem dicken Juteseil und nur widerwillig tat das Tier schnaufend ein paar vorsichtige Schritte. "Oh stell dich nicht so an! Wir haben des doch gleich geschafft!" Auch wenn der Pandaren der Verzweiflung nahe schien, so war dieses Hin und Her durchaus üblich und für beide schon fast zu so etwas wie einem festen, wenn auch mühseligen Ritual geworden. Dabei war das Ziel des ersten Abschnittes ihrer Runde durchaus nicht mehr fern. Ein scharfes Auge hätte mühelos in dem dichten Schneegestöber die Umrisse der Tempelanlage erkannt, die hinter dem nächsten Hügel aus den Felsen aufragte.

Nach etwa fünf Kilometern, vier Stunden und einem abgeflauten Sturm trotteten der in seiner unpünklichkeit zuverlässige Briefträger und der alte Fussel durch das Tor des Tempels. Sogleich eilten die ersten Mönche herbei um den heißersehnten Boten und sein Tier mit den gewaltigen Postsäcken auf dem Rücken zu belagern. Jeder hoffte, dass für ihn etwas in der Lieferung dabei war und wer nichts erwartete wollte selbst ein Schreiben versenden, wobei jedes natürlich eiliger und wichtiger war, als das vorige.

Nachdem alle Briefe, Essens- und Kleidungspakete, sowie ein kleines Bräufass an ihre freudigen Empfänger ausgeteilt waren, sollte nun der vergnügliche Teil für die beiden Zusteller folgen. In der Taverne des Tempels wartete bereits ein warmes Bier und ein dampfender Berg Nudeln auf den Postmeister, sowie vor dem Gebäude ein großer Ballen Stroh für seinen struppigen Gefährten.

Der junge Pandaren, der als einer der Laufburschen die Post für die Meister und Verwaltung entgegennahm, eilte über den Flur in das Arbeitszimmer des für die Post zuständigen Verwalters. In dem kleinen, finsteren Raum, der von Papieren überquoll, saß an einem von einer rußigen Kerze beleuchteten Schreibtisch ein bebrillter Pandaren, der dankend die Briefe entgegenahm und damit begann sie nach dem jeweiligen Empfänger zu sortieren. "Rechnung, Rechnung, Rechnung, oh eine Spende, Rechnung. Was zum..." Er stockte und warf verwirrt einen genaueren Blick auf den zerknitterten, egenartig fremden Umschlag in seinen Pfoten. "Was bei allen guten Geistern soll das? Diese Kleckse da kann ich nicht lesen." Er bemühte sich die Aufschrift mit zugekniffenen Augen zu entziffern. "Ya... Yu...Yumo? Yumo... Fi... Fli... Flintendelle? Was soll das bedeuten?". Verunsichert verließ der Sekretär sein Arbeitszimmer. Das Schreiben in der Pfote marschierte er über den Gang und just in eben diesem Augenblick kam auch schon Wang Langbart, einer der Meister des Tempels, um die Ecke. "Ah Meister Langbart. Verzeiht aber ich muss Euch doch kurz darum bitten einmal einen Blick auf dieses Schreiben hier zu werfen. Ich werde einfach nicht schlau aus der Aufschrift. Das eine scheint mir Ausländisch und das Pandarische scheint mir verschlüsselt, vielleicht eine Geheimbotschaft?!" Verwundert warf der Meister einen Blick auf den Briefumschlag und nach kurzem Überlegen, schob er die Nachricht unter den Kragen seiner Robe. "Ich bezweilfe, dass hier drinnen irgendwelche Geheimnisse stehen. Aber ich weiß zu wem dieser Brief gehört, wenn Ihr nichts dagegen habt überbringe ich ihn selbst." Verwirrt aber einverstanden nickte der Verwalter nur und machte sich wieder daran leserlichere Unterlagen zu bearbeiten.

"Hey Yuan." Der Angesprochene, gerade noch in Meditation versunken, schrak laut auf und viel hinten über und kugelte über den Boden. "Waaaah! Wang!" Der Pandaren hielt die Pfote an die Brust. "Musst du mich so erschrecken?" "Heißt Meditation nicht Achtsamkeit? Du hättes hören müssen wie ich hereingekommen bin." Yuan rappelte sich auf und rieb sich gähnend den Bauch. "Wenn ich meditiert hätte, dann hätte ich das auch mitbekommen. Wie wäre es mit einem Bräu, um den Tag ausklingen zu lassen?" Yuan grinste verstohlen und sein Freund erwiderte ein Schmunzeln, wobei er aus seiner Robe den Brief von dem Verwalter hervorzog. "Vielleicht. Vielleicht möchtest du das hier aber auch erst lesen. Der Junge hat dir geschrieben." Yuan nickte, als hätte er diese Nachricht schon erwartet. "Großartig, endlich hat der Enkel von meinem Cousin geantwortet. Ich warte schon lange darauf, dass er auf meine Anfrage schreibt. Du musst wissen er ist ein hervorragender Schmied und meine Bronzeteekanne ist ganz verbeult von den vielen Abenteuern, die..." "Was? Nein, das meine ich nicht." Fiel Langbart ihm ins Wort. "Kao An hat geschrieben." Von einem Mundwinkel zum anderen strahlte Yuan mit einem Male breit wie ein Honigkuchenyak. Lächelnd reichte ihm Wang den Brief und er warf sogleich einen Blick auf den Umschlag. "Ah, 'an Yuan Tintenfell von Kao An Winterlicht', hier stehts und sogar auch auf Orkisch. Oh und seine Schrift scheint sich verbessert zu haben." Er fischte aufgeregt das ogrimmarsche Pergament aus dem Umschlag. "Na nun lies schon vor Yuan." Wang schien nicht weniger neugierig auf den Inhalt des Briefes. Freudig lies Yuan sich auf sein Meditationskissen nieder und Wang lauschte gespannt auf das, was der Junge von der Welt zu berichten wusste. "ehrenwerter Meister..."
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Re: Kao An Winterlicht: ein Brief an den Meister I

Beitrag von Arashi Eispfote am Fr Okt 06, 2017 2:45 pm

Arashi und ihre Reisemitglieder waren nun endlich in Morgenblüte angekommen. Nun würde es nicht mehr lange dauern, bis sie in Grünstein waren... Die Sorge um den jungen Kao an stand Arashi ins Gesicht geschrieben. Würde er den Weg zu ihnen finden? Das schien gar nicht so sicher zu sein. Portale hatten diese merkwürdige Angewohnheit diese Reisegruppe immer entzwei zu reißen.

Ob das ein Zufall war? Die junge Meisterin seufzte und wandte sich ab, um sich zu ihrem Schlafplatz zu begeben. So viele Fragen galt es noch zu klären. Aber ein Schritt nach dem anderen...

OOC:
Sehr schöne Geschichte! Aber warum denn immer diese Cliffhänger! Von wem hast du dir dass denn schon wieder abgeguckt, hrm?! *grinst verstohlen und zwinkert ihm zu*

Aber! Ich möchte wissen wie es weiter geht! Was steht denn nun in dem Brief und was hat der junge Novize zu berichten? Da sind zu viele Fragen offen! *fuchtelt*

Liebe Grüße,

Arashi Eispfote
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