Die drei Schwestern

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Die drei Schwestern

Beitrag von Arashi Eispfote am Fr Aug 18, 2017 6:54 am

Die drei Schwestern

Ich saß eben noch über einigen Pergamenten und studierte alte Lehren, als ich von lauten Stimmen abgelenkt wurde…

“Lehrensucherin Shuharu, wo seid ihr?”, hallten einige Kinderstimmen durch die Tempelanlagen.

“Wie oft soll ich euch noch sagen, ihr sollt hier nicht so herum schreien!”, rief ich aus meinem Arbeitszimmer. Ich hörte die Kinder leise kichern.

“Verzeiht Lehrensucherin.”, sie stupsten sich gegenseitig an.

Ich seufze. “Was wollt ihr denn, Kinder?”

Sie kichern wieder. “Wir wollen eine Geschichte hören! Bitte Lehrensucherin, erzählt uns eine Geschichte!”, sie schauen mich aus großen Augen an und ich schmunzle.

“Nun gut ihr Lieben… Dann erzähle ich euch eine Geschichte. Aber dafür helft ihr nachher die Schriftrollen zu ordnen!”, sie schauen sich kurz untereinander an und nicken schließlich: “Abgemacht!”

Ich schließe das schwere Buch und schiebe es etwas zur Seite. Dann deute ich auf einige Kissen, die in einer Ecke liegen. Die Kinder holen sich jeweils eines und setzen sich im Halbkreis vor mich hin.

“Nun mal sehen… Welche Geschichte habe ich euch noch nicht erzählt…”, ich schaute gespielt überlegend, ich wusste natürlich genau, was ich diesen kleinen Novizen erzählen wollte.

Sie schauten mich erwartungsvoll an und ich begann mit meiner Erzählung…

“Vor vielen vielen Jahren, als ich selbst noch eine junge Novizin war, erzählte mir mein Meister eine Geschichte…”, ich stellte drei Kerzen vor mir auf und zündete die mittlere an, “Eine Geschichte, die von drei Reisenden, drei Schwestern, handelte. Eine Geschichte, die von Sorgen und Pein geprägt war. Aber auch eine Geschichte die Hoffnung schenkte und die Herzen erwärmte…”

Die Novizen beugten sich neugierig vor: “Ist es eine wahre Geschichte, Lehrensucherin Shuharu?”

Ich nickte: “Jede Geschichte birgt einen wahren Kern. Nun… Ich sagte drei Schwestern, die jedoch in ihrem Wesen nicht unterschiedlicher sein konnten. Die Älteste war standhaft, entschlossen und beschützte ihre Familie mit allem was sie hatte…”, die Flamme der Kerze brannte mit einem Mal kräftiger als zuvor und schimmert etwas bräunlich.

Ich zündete die linke Kerze an: “Die zweite der drei Schwestern war eher ruhig, warmherzig und besonnen, eine Diplomatin, wenn man so möchte. Sie verschrieb sich den Heilkünsten und übte die Kunst des Nebelwirkens aus…”, die Flamme der linken Kerze leuchtete auf und schimmert in einem leichten blau-grün.

“Die jüngste hingegen..”, ich schmunzelte und zündete die dritte Kerze an, “...war unruhig, stürmisch und voller Tatendrang. Sie verschrieb sich der Kampfkunst und ließ ihr Leben durch ihre Leidenschaft bestimmen.”, die rechte Kerze flammte auf und schimmerte rötlich.

“Die Schwestern waren unzertrennlich, bestritten Abenteuer und wuchsen zu wunderschönen starken Blumen heran…”, die Flammen verbanden sich und formten die Blüte einer Lilie, die den ganzen Raum für kurze Zeit erhellte.

“Lehrensucherin?”, fragte mich eine der Novizen leise, “Was passierte mit den Schwestern?”, die Blume formte sich zurück zu den drei einzelnen Flammen.

“Nun am schönsten wäre es, wenn ich sagen würde, sie lebten auch weiter glücklich und im Einklang bis an ihr Lebensende, nicht wahr?", die Novizen nickten, “Leider ist das im Leben oft nicht so…”, das Licht dimmte sich und die Novizen rutschten unruhig zusammen.

“Ein Fremder kam in das Dorf, in dem die Schwestern lebten… Als Reisender stellte er sich charmant den Dorfbewohnern vor und glänzte durch seinen galanten Umgang mit Wort und Geste…”, die Flammen zuckten unruhig hin und her.

“Die drei Schwestern, die stets bemüht waren das Gleichgewicht zu erhalten und keinerlei Unfrieden aufkommen zu lassen, begrüßten den Fremden herzlich und hießen ihn willkommen.”

“Der Fremde sah bereits nach kurzer Zeit, dass die drei Schwestern das Herz des Dorfes waren. Die Bewohner suchten Rat bei der Ältesten, holten die Mittlere bei Unstimmigkeiten und wenn jemand gänzlich am Boden war, schenkte ihm die Jüngste Hoffnung und Kraft…”, ich hob die Pfote und die Flammen formten die Abbilder dreier Pandaren, die sich an den Pfoten hielten.

Die Kinder machten große Augen und schauten fasziniert den Figuren zu, die sich nun auch noch mit der Geschichte im Einklang bewegten.

“Es geschahen mit einem Mal viele Dinge, auf die sich keiner einen Reim machen konnte… Die Kräuterbeete der Heilerin wurden völlig zerstört aufgefunden, die Novizenausrüstungen zerschnitten und die Versammlungshalle komplett verwüstet…”

“Das war doch ganz sicher der Fremde!”, rief die jüngste Novizin aufgebracht. Die Flammen zeigten die drei Schwestern, die voller Trauer auf die Zerstörung blickten und sich dennoch weiter festhielten.

Ich nickte bedächtig und erzählte weiter: “Die Schwestern hatten denselben Verdacht, doch der Fremde hatte bereits den Geist der Dorfbewohner durch seine Worte und Taten vergiftet. Sie glaubten den drein nicht mehr… es ging sogar so weit, dass sie anfingen, sie auszugrenzen und mit verachtenden Blicken zu strafen…”, die Flammen wurden immer kleiner.

“Wut, Zweifel und Angst wurden in den einst so friedvollen Herzen geschürt und eine unheilvolle Aura schwebte um die Einwohner…”

“Nun… Ich frage euch… Was tut man gegen solch eine finstere Macht?”, ich schaute sie nacheinander an, “Was kann man tun, um gegen so etwas zu bestehen?”

Die Novizen schauten sich ratlos an und zuckten mit den Schultern. Ich schmunzelte.

“Die Schwestern gaben nicht auf. Sie hielten zusammen und versteckten sich nicht. Ihre Standhaftigkeit, ihre Zuversicht und ihre Hoffnung gaben ihnen Halt in diesen schweren Zeiten und der Dämon, der sie heimgesucht hatte, kam nicht gegen sie an.”, das Abbild der Schwestern verband sich wieder zu der Blüte und strahlte noch heller als zuvor.

“Ihr Zusammenhalt stärkte die drei so sehr, dass ihr Chi die Dorfbewohner von ihrem Zweifel, ihrem Zorn und ihren Ängsten befreite und so Alltag und Normalität zurückkehrten…”

“So was ist möglich?”, fragte eine Novizin mit großen Augen.

“Nun… ich für meinen Teil glaube daran, dass man gemeinsam alles schaffen kann.”, die Flammen gingen nun langsam aus und weißer Rauch stieg auf. Die Novizen schauten sich an und nicken kurz.

“Wir danken euch Lehrensucherin.”, sie erhoben sich und verneinten sich vor mir. Ich nickte ihnen zu.

“Wir werden sofort hinaus gehen und alles was wir bei ihnen gelernt haben anwenden!”, sie stürmten hinaus.

“Moment!”, rief ich überrascht, “Ihr wolltet mir doch helfen…”, ich seufzte und schüttelte den Kopf.

“Diese Kinder…”, ich schmunzelte in mich hinein und studierte weiter meine Dokumente. Sie würden schon noch zum aufräumen kommen… Hoffte ich.
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