Kapitel 16: Der Sturm

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Kapitel 16: Der Sturm

Beitrag von Arashi Eispfote am Sa Okt 07, 2017 2:45 pm

Kapitel 16: „Der Sturm“

von Arashi Eispfote

Die junge Pandaren steht zusammen mit ihren Mitreisenden auf einem kleinen Schiff, sie sind schon seit mehreren Tagen unterwegs, nachdem sie von Sri La aus aufgebrochen waren. Die Stimmung ist eher trist, vor allem nach den eher unerfreulichen Ereignissen auf dem Gipfel der Ruhe.

Die Pandaren schaut gedankenverloren aufs Meer hinaus, sie hält immer noch diesen merkwürdigen Brief in der Hand und ihre Flanke ziert ein großer Verband. Die Informationen, die wir nach und nach erhalten haben, scheinen uns immer deutlicher auf die verheerten Inseln zu weisen. Doch die Gruppe ist einfach noch nicht so weit… Die Gruppe ist noch nicht sicher genug, sie war noch nicht vollständig und sie trauten einander immer noch nicht zur Gänze.

Sie waren wie ein unvollständiges Puzzle, das darauf wartete die fehlenden Teile zusammen zu finden um dann ein komplettes Bild zu ergeben. Ich schaue sie einem nach den anderen an, blicke in die Gesichter, die mich auf meinen Reisen bis hier her begleitet haben. Erinnerungen an die vergangenen Abenteuer, an die vielen Hindernisse, die wir bis jetzt schon überwunden hatten, ließen mich still schmunzeln.

Ich atme kurz tief ein. Meine Stimme klingt laut und deutlich an ihre Ohren.

„Unser nächstes Ziel werden nicht die verheerten Inseln sein. Dafür ist es bei weitem noch zu früh! Wir werden uns Rat von einigen befreundeten Tauren holen, die uns schon früher in unruhigen Zeiten zur Seite standen. Unser Ziel wird Donnerfels sein!“

Ich hörte noch, wie einige aus meinen Reihen etwas von sich gaben, Fragen stellten, oder ihre Unzufriedenheit kundtaten. Doch meine Aufmerksamkeit wurde von den dunklen Wolken über uns abgelenkt, die sich immer mehr übereinander türmten. Wind kam auf, erst leicht, dann wurde er immer stärker und stärker. Das Schiff schwankte, die Wellen brachen wütend an ihm und überschütteten uns mit Wasser.

„Haltet euch fest!“

Ich schrie so laut ich konnte und klammerte mich an den nächstbesten Gegenstand, den ich finden konnte. Meerwasser schwappte mir ins Gesicht und raubte mir die Sicht. Ich versuchte krampfhaft nicht über Bord zu gehen und die anderen nicht aus den Augen zu verlieren, doch mit der nächsten Welle, die über uns hinwegjagte, verlor ich den Halt und knallte mit dem Kopf gegen irgendetwas Hartes und verlor das Bewusstsein…

Träume jagten mich. Ich sah meine Freunde… Ich sah sie, doch jeder schien woanders zu sein.

Ich sah Everya, wie sie hustend, zittrig und schwach auf Ajumus Rücken hing. Er schien sie durch einen düsteren Sumpf zu tragen… Allerdings sah ich noch einige Gestalten. Wurden sie etwa verfolgt?

Das nächste Bild war ein gänzlich anderes.

Ich sah Felsen, riesige hinaufragende Felsen, umgeben von Wasser… Auf einem dieser Felsen saß der junge Blutelf, um ihn herum diverse Wrackteile unseres Schiffes. Der Mast trieb unter ihm und wiegte langsam mit den Wellen hin und her.

Dann verschwamm auch dieses Bild.

Dann sah ich einen Pandaren. Onkel Thao! Aber wo war er da nur? Eine schier unendliche Wüste, die geziert wurde mit merkwürdigen, käferartigen Gebeinen die zum Himmel hinaufragten. Ein wahrlich makabrer Ort. Ich sah viele Kreaturen. Schlangen, Skorpione und einen Kampf…

Das Bild wird schwarz…

Ein neues glimmt vor meinen Augen auf. Hier bin ich doch schon einmal gewesen! Das sind die Echoinseln! Ganz gewiss sogar. Kalixa lag dort am Strand und regte sich kaum, um sie herum diverse Fässer, Seile und andere Gegenstände verteilt. Scheinbar hatte sie dies vor dem Untergehen bewahrt.

Wieder verschwamm das Bild vor meinen Augen.

Helles Licht schien mich zu blenden und ich blicke auf eine Ruine zu der Füßen ein mir sehr bekannter Pandaren saß und sich umsah. Das war doch Yuan! Scheinbar war er überwältigt von den riesigen Ruinen und der Architektur, vor der er sich befand.

Doch wo war Zin?

Ich versuchte ein Bild von ihm zu finden, eine Vision heraufzubeschwören, doch ich bekam nur leichte Eindrücke von einem Hafen und mehreren großen Schiffen zu sehen. Wo er war konnte ich beim besten Willen nicht feststellen. Das schwächliche Bild löste sich auf, andere Eindrücke mischten sich unter meine Sinne. Ich hörte das Rascheln von Blättern und das Summen von Insekten, die um mich herum surrten. Es hatte schon fast etwas Beruhigendes an sich. Meine Gedanken schweifen ab, beinahe wirr bilden sie sich zu einigen unverständlichen Sätzen...

,Nun endet ein Abenteuer und eine neues beginnt. Diese unerwartete Reise findet nun ihr Ende hier, wer weiß, wie wohl die nächste wird. Werden die Reisenden den Weg wieder zueinander finden? Wer weiß… Vielleicht treten auch ganz andere Personen in unser Leben und tragen ihre Geschichten mit in unsere hinein...´




Ich erinnerte mich kaum mehr an das was geschah. Ich erinnerte mich an das Unwetter. Die berstende See und das Wasser, dass mir ins Gesicht gepeitscht wurde. Ich erinnerte mich daran, wie Zin sich über mich gebeugt hatte, um mich zu schützen und wie ich mich krampfhaft am Mast festgehalten hatte. Dann erinnerte ich mich an eine Welle, die uns beide zu Boden riss und ich mit dem Kopf aufgeschlagen bin. Ab diesem Moment versagte mein Gedächtnis. Schwammige Bilder tauchten vor meinem geistigen Auge auf. Bilder, wie ich hilflos im Wasser trieb. Ich erinnerte mich daran, wie ich krampfhaft versuchte, mich über Wasser zu halten und wie Zin mich zu einigen Brettern zerrte. Ich erinnerte mich, wie ich mich panisch daran festhielt und sich meine Krallen in das Holz hineinschlugen.

Als ich mich nach Zin umsah, um ihn auch auf das Brett zu zerren, war von ihm keine Spur mehr übrig. Doch ich konnte mich nicht von diesem Brett lösen, ich konnte nicht nach ihm suchen. Ich schrie lediglich nach ihm und hielt nach meinen Begleitern Ausschau so gut ich es konnte und versuchte dabei nicht unterzugehen. Als das Unwetter endlich vorbei war zitterte ich am ganzen Leib. Immer noch klammerte ich mich an dem großen Brett fest, die Pfoten schon ganz steif von der kälte. Das Salz des Meerwassers klebte an meiner Kleidung und meinem Fell, welches durch die Sonnenstrahlen, die inzwischen wieder heraufgezogen waren getrocknet wurden. Mein Kopf und meine Glieder schmerzten und meine Kehle war wie ausgetrocknet. Ich unternahm einige Versuche aufzustehen, doch hatte ich nach diesem Sturm einfach keine Kraft dazu. Und so blieb ich einfach nur liegen, schloss die Augen und sank ihn eine gnädige Ohnmacht.

Unbestimmte Zeit später...

Ich wachte durchnässt an einem Strand auf, mit Sand an Stellen, an denen man keinen Sand haben möchte...Ich sah mich um und erblickte Holz, Wrackteile und zerschlissene Stoffe. Wahrscheinlich vom Segel. Ich rappelte mich mühsam auf und schrie auf. Der bohrende Schmerz in meinem Schädel ließ mich in die Knie gehen und ich biss mir auf die Unterlippe. Verdammt noch eins. Ich rang mit mir selbst, nicht in Tränen auszubrechen. Wo zum Teufel war ich hier? Wo waren die anderen? Zin, Everya, Sorophas und Yuan? Wo waren Onkel Thao, Kalixa und Kuroji? War ich denn wirklich alleine hier an diesem gottverlassenen Strand?

Ich richtete mich langsam auf, bemüht keine hastigen Bewegungen zu vollführen und richtete meinen Blick nach vorn. Es blieb keine Zeit, um sie mit Trauer zu verschwenden. Ich musste weiter. Ich konnte nur hoffen, dass meine Freunde auf dem richtigen Weg waren. Ich konnte nur hoffen, dass sie am Leben waren und wir wieder zueinander fanden.

Und so ging ich los. Ich sah zum Himmel und schaute dann gen Osten. Donnerfels.

Ich sagte dieses eine Wort immer und immer wieder. Donnerfels. Keinen anderen Gedanken ließ ich auch nur ansatzweise zu. Donnerfels. Meine Füße trugen mich Schritt um Schritt, Meter um Meter immer weiter. Donnerfels. Ich erinnerte mich schwammig an eine verhüllte Gestalt, die mir etwas Wasser und zu Essen gab und mir die richtige Richtung wies... Donnerfels. Und irgendwann kam ich endlich an.

Ich sah zu dem Donnerfels hinauf blinzelte gegen das gleißende Sonnenlicht und fuhr mit dem Flaschenzugsystem hinauf. Und wartete. Ich wartete schier endlose Tage.

Und dann spürte ich sie. Erleichterung überkam mich und als die Reisenden endlich ankamen, erzählten sie mir ihre Geschichten...
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