Kapitel 17: Der Aufprall

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Kapitel 17: Der Aufprall

Beitrag von Arashi Eispfote am Sa Okt 07, 2017 2:46 pm

Kapitel 17: „Der Aufprall“

von Sorophas Sonnentau

Mit ohrenbetäubendem Lärm zerschellte das Schiff an den hochaufragenden Felsen. Die enorme Wucht des Aufpralls schleuderte Sorophas in die Luft. Myriaden von Splittern zerberborstenen Holzes flogen an dem gepanzerten Elfen vorbei.

Verzweifelt streckte er die Arme von sich und griff ins Blaue. Und tatsächlich erwischte seine Hand etwas. Eisern schloss sich sein Griff um das verhedderte Tauwerk, das sich zusammen mit den Überresten der zerfetzten Segel fest um den Mast geschlungen hatte und von dem tosenden Sturm durch den nächtlichen Regen gepeitscht wurde.

Im nächsten Moment folgte ein unsanfter Aufprall auf der Oberfläche des tobenden Meeres, der Sorophas die Luft aus den Lungen presste. Festgeklammert an das Seil sank er ins Dunkle hinab. Doch Griff um Griff kämpfte er sich der Naturgewalt zum Trotz das Tauwerk entlang. Eher würden die Seile reißen oder seine Knochen bersten, als dass er sich geschlagen gäbe.

Er würde überleben.

Er würde es diesem Sturm zeigen. Er kam nur langsam voran und musste allmählich gegen den Drang ankämpfen nach Luft zu schnappen. Endlich tauchte sein Kopf für einen kurzen, befreienden Moment über dem salzigen Wasser auf, nur um im nächsten Moment wieder von einer Welle verschluckt zu werden. Er zog sich aus den wütenden Wogen, kletterte das Tauwerk weiter hinauf und erreichte die Mitte des wankenden Mastes, der sich offenbar mit einigen Überresten des Schiffes zwischen den Felsen verkeilt hatte.

An den Mast geklammert nutzte er die Gelegenheit für eine kurze Verschnaufpause. Wie lange hatte dieser Sturm ihn jetzt wohl schon über den Ozean gejagt? Es kam ihm bereits wie eine halbe Ewigkeit vor. Und von den Anderen hatte er schon eine ganze Weile nichts mehr mitbekommen. Aber das musste nichts heißen.

Bei der Gewalt mit der der Sturm getobt hatte, war es vermutlich einfach nur unmöglich gewesen, auf etwas anderes zu achten, als darauf, selbst nicht von Bord zu gehen. Doch selbst jetzt konnte er niemanden hören oder sehen. Sollte er nach Überlebenden schauen, bevor er sich selbst in Sicherheit brachte? Seine Muskeln brannten. Er brauchte dringend festen Grund unter den Füßen, bevor er den nächsten Schritt plante. Sorophas schaute an den riesigen Felsen hinauf.

Sie waren wesentlich höher als der Mast, an dem er hing, aber er konnte einen Vorsprung an der Felswand erkennen, den er vielleicht erreichen könnte. Der hölzerne Mast selbst wäre wohl zu glitschig gewesen, um an ihm hinauf zu klettern, aber das Tauwerk und die kaputten Segel, die sich um ihn gewickelt hatten, boten eine Oberfläche, die griffig genug war.
Der Mast bog sich mit einem bedrohlichen Ächzen im Wind, als der Blutelf sich der Spitze näherte. Oben angekommen streckte er den Fuß nach dem Vorsprung aus und ohne nochmal hinunter zu schauen sprang er. Der Sturm bäumte sich noch einmal auf. Mit einem lauten Krachen brach der Mast und platschte ins Wasser.

Sorophas wandte sich dem Meer zu und ging erschöpft in die Knie. So laut er konnte brüllte er die Namen seiner Freunde. Aber alles was er hörte war die zornige See.
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