Kapitel 19: Der Besuch

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Kapitel 19: Der Besuch

Beitrag von Arashi Eispfote am Sa Okt 07, 2017 2:50 pm

Kapitel 19: „Der Besuch“

von Sorophas Sonnentau

Sorophas starrte in den Himmel, während er zwischen unzähligen Felsen, die baumartig in den Himmel ragten, übers Wasser trieb. Manchmal meinte er in den Felsformationen die Gesichter seiner Freunde erkennen zu können. Einer der Felsen hatte eine blaue Strähne und dem Blick seines steinernen Gesichtes nach zu urteilen, schien er irgendwie auf der Suche nach etwas zu sein.

Genau daneben stand ein hochgewachsener Fels mit einer langen Nase, der schützend seine Arme um den ersten gelegt hatte. Ein anderer Fels war sehr hübsch gewesen und er hatte die gleichen Ohren wie Sorophas.

Er sah sehr freundlich aus und Sorophas wäre gerne aufgestanden, um ihm eine Blume oder so etwas zu schenken. Aber er war zu erschöpft. Es gab auch einen Felsen, der hatte einen großen, runden Bauch. Er strahlte Weisheit aus und unwillkürlich musste sich Sorophas fragen, wie man seine Jugend damit verschwenden konnte pandarische Schriftzeichen auswendig zu lernen.

Gegenüber von diesem Felsen stand einer der diesem sehr ähnlich sah. Nur war er größer und kräftiger und wirkte ein wenig jünger. Einer der Felsen hatte vorhin sogar mit ihm gesprochen. Geschimpft hat er. Er war wohl böse mit Sorophas, weil er in den Tagebüchern von anderen Leute gelesen hatte.

Ein anderer Fels dagegen schwieg ihn einfach nur an. Aber viele Blumen wuchsen an der Stelle, an der er aus dem Wasser trat. Der Fels macht einen recht schüchternen Eindruck.
Ein wenig war Sorophas schon bewusst, wie absurd das alles war. Er verlor eindeutig den Verstand.

Der Durst nagte schwer an ihm.

Der letzte Tropfen Wasser war schon längst getrunken und die Sonne brannte unbarmherzig auf seinen Leib. Wie viele Tage trieb er nun schon hier umher? Er hatte keine Orientierung mehr. Von hier unten sah alles gleich aus. War das nun sein Ende? Wie lange würde sich dieser langsame Tod wohl noch hinziehen? Er durfte nicht sterben. Er musste doch seine Freunde finden.

Die Frau in der rot-schwarzen Rüstung, die mit dem Rücken zu Sorophas am Rand des Floßes saß, warf ihm einen flüchtigen Blick zu. Ein sachtes Lächeln formte sich auf Sorophas Lippen.

„Bal'a dash, Schönheit.", sprach Sorophas und begrüßte sie mit seinem schelmisch-charmanten Lächeln.
„Ihr rettet niemanden mehr.", entgegnete sie kühl, ohne ihn dabei anzuschauen. Sorophas legte den Kopf schief. Im Gegensatz zu ihm schien es der Blutelfe noch sehr gut zu gehen.

„Was meint Ihr damit?“, fragte Sorophas.

„Ihr hättet Eure Freunde retten können, aber Ihr habt versagt. Seht es ein: Ihr habt sie im Stich gelassen und deshalb sind sie ertrunken.“, antwortete die mysteriöse Frau.

„Was hätte ich denn tun sollen? Ich konnte mich selbst kaum an Bord halten!“

„Richtig. Euer eigenes Leben war Euch wichtiger.“

Sorophas schaute sie mit zornigem Blick an und musterte die Sin'dorei. Warum war sie nicht durstig? Hatte sie noch trinkbares Wasser? Sorophas öffnete gerade den Mund, um ihr zu widersprechen, als sie ihn unterbrach.

„Wie ich hörte seid Ihr jetzt Söldner. Wie tief Ihr doch gesunken seid, Sonnentau. Einst habt Ihr zur Elite unseres Volkes gezählt und jetzt fristet Ihr Euer Dasein als abgerissener Herumtreiber.“

Sorophas grinste. Scharfe Worte dieser Art kümmerten ihn nicht. „Ich bin ein Söldner, ja. Und was das „abgerissen“ betrifft... ich bin nicht mehr so wohlhabend wie früher, das stimmt. Aber ich bin frei.“

„Dann bezahlen Euch diese Leute, damit Ihr sie beschützt?“

„Es sind meine Freunde. Deshalb beschütze ich sie.“

„Falsch. Ihr begleitet und beschützt diese Leute, weil Ihr glaubt, dass Ihr damit etwas wiedergutmachen könnt. Aber selbst, wenn Ihr bei dem Versuch diese Leute zu beschützen Erfolg gehabt hättet... Ihr könnt das, was Ihr getan habt, nicht wiedergutmachen!“

Die Sin'dorei ballte Ihre gepanzerten Hände zu Fäusten.

„Von was redet Ihr!“, fuhr Sorophas die Elfe mit einer Mischung aus Entsetzen und Zorn an.

„Ihr wisst genau von was ich rede. Und Ihr wisst auch, dass Ihr kein Held seid. Und Ihr seid auch nicht unsterblich. Ihr werdet hier draußen genau den erbärmlichen Tod sterben, der Euch zusteht.“

Sorophas starrte die Elfe an und schluckte. Hatte sie recht? Er schüttelte den Kopf. „Ihr wisst nicht wovon Ihr redet.“

Die Sin'dorei wandte ihren Blick Sorophas zu. Tränen liefen über ihr schönes Gesicht.
„Ich habe einmal zu dir aufgesehen, Sorophas. Aber du hast uns im Stich gelassen.“
Im nächsten Moment stürtzte sich die Sin'dorei nach vorne und sank wie ein Stein in die Tiefe. „Nein!“, schrie Sorophas und sprang ihr hinterher ins Wasser. Es wurde dunkel...
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