Kapitel 20: Falsche Freunde

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Kapitel 20: Falsche Freunde

Beitrag von Arashi Eispfote am Sa Okt 07, 2017 2:54 pm

Kapitel 20: „Falsche Freunde“

von Sorophas Sonnentau

Sorophas öffnete die Augen und sah sich um. Er befand sich in einem großen Zelt aus dicken Tierhäuten. Wenige Schritte von ihm entfernt saß ein Tauren mit schwarzem Fell, der die Spitze seines Speers polierte.

Sorophas' Durst hatte nachgelassen. Man hatte ihn scheinbar gerettet und versorgt. Gerade wollte er seinen vermeintlichen Retter ansprechen, als er bemerkte, dass er selbst an den Händen gefesselt war. Langsam wurden seine Gedanken wieder klarer. Natürlich! Das mussten Tauren des Grimmtotem-Stamms sein.

Feinde der Horde. Ohne sich zu regen, lies Sorophas den Blick an sich herab gleiten. Die Grimmtotem hatten sich offenbar nicht die Mühe gemacht ihm die Rüstung auszuziehen. Vor seiner Brust prangte immer noch das große Horde-Symbol. Doch wo war der Rest seiner Ausrüstung? Seine felgrünen Augen hatten keine Schwierigkeiten mit der relativen Dunkelheit des Zeltes.

Schnell fand er wonach er suchte. Das Schwert und der Rest seiner Ausrüstung lagen hinter dem Tauren nahe der Zeltwand. Er musste einen Weg finden, unbemerkt an dem Tauren vorbei zu kommen, um an seine Sachen zu gelangen.

Und sein Name wäre ja nicht Sorophas Sonnentau, wenn er dazu nicht schon einen irrwitzigen Plan parat hätte. Leise aber stetig rieb Sorophas die Fesseln seiner Händen gegen den Stahl seiner Rüstung, während er so tat, als schliefe er noch. Die Geräusche, die von draußen in das Zelt drangen, ließen darauf schließen, dass er sich in einem Dorf befand.

Als er die Fesseln schließlich durchbrochen hatte, öffnete er die Augen. Zum Glück hatte der Speer immer noch die volle Aufmerksamkeit des Tauren. Während der gehörnte Riese mittlerweile damit beschäftigt war, den Schaft seines Speeres mit Ornamenten zu verzieren begann Sorophas seine Konzentration zu sammeln. Lautlos bewegten sich seine Lippen.

Seine Hand, die jetzt in Richtung des Tauren zeigte, vollführte eine Reihe eleganter Bewegungen, die sich in einem komplizierten Muster wiederholten. Mit einem ploppenden Geräusch erschien plötzlich ein roter, lächerlich unwirklich aussehender Apfel vor dem Gesicht des Tauren.

Verdutzt betrachtete der Tauren das in Kreisen fliegende Obst und folgte ihm mit den Augen. Gerade wollte er nach ihm greifen, da flog der Apfel Richtung Zeltwand und verschwand durch den Deckel einer Kiste, ganz offensichtlich die physikalischen Gesetze der Natur missachtend. Verstört rannte der Tauren zu der Kiste und begann sie nach dem Apfel zu durchwühlen.
Sorophas nutzte die Gelegenheit. Als der Tauren über die Schulter schaute, hatte Sorophas bereits das Schwert in der Hand und spaltete ihm den Schädel.

Flink rannte Sorophas durch das Dorf, hinter ihm eine tobende Meute, die ihm nach dem Leben trachtete. Er steuerte auf eine Hängebrücke zu, die die Mesa, auf der sich das Dorf befand, mit dem Festland verband.

Die Grimmtotem hatten ihn unterschätzt. Sie hatten nicht mit seiner Flucht gerechnet und so hatte er einen beachtlichen Vorsprung zu ihnen erreichen können. Auf der anderen Seite angekommen, drehte er sich um und begann mit dem Schwert auf die Seile der Brücke einzudreschen. Doch die dicken Taue waren dazu geschaffen worden, enorme Lasten auszuhalten und er hatte nur wenig Zeit.

Einfach weg zu laufen war aber keine Option. Sorophas war immer noch erschöpft. Früher oder später würden sie ihn einholen. Es wäre der sichere Tod. Als das erste der dicken Seile durchtrennt war und unter der durch das Gewicht seiner Verfolger verursachten Spannung mit einem lauten Knall nach hinten ausschlug, ging ein bedrohlicher Ruck durch die Brücke.

Die Brücke schwankte und verunsichert kamen die Tauren ins Stocken. Ohne zu zögern widmete sich Sorophas dem nächsten, tragenden Seil. Wieder und wieder schlug er auf die selbe Stelle. Das Seil riss und mit ihm auch alle anderen tragenden Verbindungen. Doch als er den Blick Richtung Mesa wandte, sah er direkt vor seinem Gesicht die schwarze Pranke eines Tauren der nach seinem Kopf griff.

Der Tauren verfehlte Sorophas knapp und prallte mit voller Wucht gegen die Kante des Abhangs. Zusammen mit dem Rest seiner Stammesbrüder und -schwestern, die sich auf die Brücke gewagt hatten, fiel er in die Tiefe.

Sorophas' triumphales, schadenfrohes Lachen schallte über die Kluft, bevor er sich umdrehte und schnellen Schrittes Richtung Brachland zog, damit man ihm nicht noch mit Fernkampf zu Leibe rücken konnte.

Er wusste nicht wo seine Freunde jetzt waren oder ob sie überhaupt noch lebten. Aber es gab noch Hoffnung. Und solange es auch nur einen winzigen Funken Hoffnung gab, gab es keinen Grund aufzugeben. Ihr ursprüngliches Ziel war Donnerfels gewesen. Und dahin würde er jetzt gehen.
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