Kapitel 1: Der Aufbruch

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Kapitel 1: Der Aufbruch

Beitrag von Arashi Eispfote am Sa Okt 07, 2017 9:45 pm

Kapitel 1: "Der Aufbruch"

von Arashi Eispfote

Der Nebel verdichtete sich vor meinen Augen. Die Umgebung verschwand immer mehr und mehr. Zuerst konnte ich nur Schemen erkennen, dann nur noch dezente Umrisse und schließlich gar nichts.

Ich schaute mich um, suchte nach Hiyuu, oder Tsuneyasu oder einem anderen meiner Freunde doch… Nichts. Eben waren sie noch in meiner unmittelbaren Nähe gewesen. Ich ruderte mit den Armen und Beinen die schwerelos in der Luft hingen, als ich plötzlich erneut - ähnlich wie bei der Landung auf der zeitlosen Insel - das Gefühl hatte zu fallen. Ich kämpfte dieses Mal nicht weiter dagegen an, ich konzentrierte mich nur darauf, dieses Mal keine ganz so tollpatschige Bruchlandung hinzulegen.

Ich konzentrierte mich also und als die Umgebung langsam immer offensichtlicher wurde landete ich auf beiden Füßen - jedenfalls im ersten Moment. Denn der Boden erwies sich als wesentlich rutschiger als angenommen und ich purzelte einige Stufen hinunter und landete auf meinem Allerwertesten.

“Ich hoffe nur, dass das keiner gesehen hat… “, murmel ich leise und rappelt mich mühsam auf. Nun erst realisierte ich, wo ich mich eigentlich befand. Das war nicht das Schlingendornkap… Nicht einmal ansatzweise. Diese Gegend war mir so vertraut wie keine andere es sein könnte.

Ich war auf Shen-zin Su. Ich rannte zum Geländer des Gebäudes in dem ich gelandet war. Moment… Ich war IN einem Gebäude..

Aber… Ich blickte mich um und nun erst sah ich, dass ich gar nicht allein war… Ich stand einem Verlassenen gegenüber der mich ebenso musterte. Schnell verneigte ich mich und bat um Verzeihung. Allerdings musste ich mich vergewissern.

“Sagt, wo sind wir hier?“, die Anspannung in meiner Stimme war kaum zu überhören. “Auf der wandernden Insel, wo sonst?“, er musterte mich als ob ich nicht ganz bei Sinnen wäre ich hingegen sah ihn mit großen Augen an. “Aber sagt, kenn ich euch nicht irgendwo’er?“

Ich hielt inne und musterte den Verlassenen vor mir und mit einem Mal wusste ich wieder, warum mir der Singsang seiner Stimme so bekannt vorgekommen war…

“Jonathan Pique. Der Verlassene mit dem einmaligen Akzent. “, ich nickte ihm erfreut zu und schenkte ihm ein Lächeln. Wir hatten uns vor einiger Zeit kennen gelernt. Allerdings mehr zufällig….

Ich saß alleine in einer großen Stadt, die sich Dalaran nannte. Ich hing meinen Gedanken nach und wippte gedankenverloren mit dem Fuß im Takt einer Melodie. Plötzlich hielt ich inne, drehte mich nach links und blickte in das Gesicht eines Verlassenen. Zuerst war ich etwas erschrocken, dann wandelte sich das Gefühl eher in Scham um… Wie hätte er sich so leicht anschleichen können, ohne, dass ich etwas davon mitbekommen hatte?

Wir fingen ein Recht oberflächliches Gespräch an, welches dann allerdings mit zunehmender Gesprächsdauer immer ernster wurde… Ich fragte ihn nach seinem Akzent und nach seiner Herkunft. Der Akzent war wohl wie er behauptete nichts typisches für einen Verlassenen. Ich muss gestehen, etwas enttäuscht war ich über diese Erkenntnis. Dann jedoch offenbarte er mir, dass er ein Heilkundiger sei und einen alternativen Weg zu der geläufigeren Form für sich entdeckt habe. Ich schaute ihn neugierig an und ich konnte kaum glauben, was er dann sagte.

Er erklärte mir, dass er die Lehren eines Mönches verfolgte und sich dem Studium des Schlangenstils verschrieben hatte. Ich nickte langsam und konnte meine Faszination für dieses Thema nur schwer verbergen… als er mich nach meiner Spezialisierung fragte seufzte ich innerlich.

Ich erklärte ihm, dass ich den Stil des Roten Kranichs verfolgen würde und den Wind über mein Handeln entscheiden lassen würde. Er fragte mich weiter aus und ich konnte förmlich spüren, wie begierig er darauf war mehr zu erfahren. Ich erzählte ihm im dass der Stil, wie ich ihn anwandte von Generation zu Generation von Mutter zu Tochter weiter gegeben wurde und sich dieser Stil im Laufe der Zeit immer wieder etwas abgewandelt hatte… Aber der Kern blieb derselbe.

Hoffnung war unsere Kraftquelle und der Wind unser Leitbild. Schnelligkeit und die gezielte Anwendung des Chis waren die Knackpunkte meines Kampfstils. Kein leichter aber dafür sehr effizienter. Plötzlich stand er auf und verbeugte sich vor mir. Er verkündete, dass er gehen müsse und er hoffe, dass man sich eines Tages wieder sehen würde. Ich stand ebenso auf und erwiderte die Verbeugung höflich… und dann war er fort… Er hatte nur noch erwähnt, dass ihn seine Reise nach Shen-zin Su führen würde, um dort einen Meister zu finden…

Und da war er. Auf Shen-zin Su und saß mir schräg gegenüber, während er mir beiläufig Tee einschenkte und mich abwartend ansah.

“Wie seid Ihr eigentlich ‘ier ‘ergekommen, Cherié?”, er nippte an seinem Becher und ich starrte in den meinen.

“Nun, das ist in der Tat eine längere Geschichte… Wir waren in Pandaria, meine Reisegefährten und ich und sind inmitten eines Sturms von einem Nebel erfasst worden und… “, ich erzählte ihm in groben Zügen von den vergangenen Ereignissen, ließ aber das Artefakt und den Speer unerwähnt.

“Wir sammelten uns also alle wieder auf dem Platz und erbaten uns von den Erhabenen zu unserem Bestimmungsort gebracht zu werden. Aber statt im Schlingendorntal zu landen, fiel ich euch gewissermaßen in die Arme…”, ich schloss meinen Bericht und nahm nun einen Schluck aus dem Becher. Derselbe Tee, den er mir damals schon serviert hatte.

“Habt ihr den Unmut der Er’abenen durch irgendetwas ‘eraufbeschworen?”, er schaute mich nachdenklich an.

Ich verneinte. Ich hatte immer im Sinne Pandarias, meiner Familie und meines eigenen Gewissens gehandelt. Ich wüsste beim besten Willen nicht, was ich getan haben sollte um die Erhabenen gegen mich aufzubringen.

“Nun… Wenn ihr mich fragen würdet… “, er schaute in seinen Becher und nahm noch einen Schluck, “Ihr sagtet, die Er’abenen sollten euch zu eurem Bestimmungsort bringen… Wer sagt, dass sie Euch nicht zu mir geführt haben?“

Ich schaute ihn eine Weile schweigend an.
“Damals als wir uns das erste Mal gesehen haben, sagtet Ihr zu mir, dass Ihr einen Meister suchen würdet, der Euch im Stil des Kranichs unterweisen würde.”, er nickte zustimmend.

“Nun, wenn Ihr es wünscht…”, ich konnte den Satz noch nicht einmal beenden, da sprang er auf und verbeugte sich vor mir. Er sagte, dass er mir folgen würde wohin ich auch gehen würde. Ich lächelte. Er hatte ja keine Ahnung, worauf er sich bei meinem Glück einlassen würde. Dennoch nahm ich ihn gerne als Novizen auf und ein Trainingspartner für Hiyuu war sicher auch förderlich für ihre Ausbildung.

Hiyuu. Mit einem Mal ließ ich meinen Becher auf die Tischplatte knallen, sodass sich ein Teil des Becherinhaltes auf dem Tisch ergoss und hinunter auf den Boden tropfte. Jonathan sah mich fragend an, dann auf die Pfütze und wieder zu mir. Ich entschuldigte mich schnell.

Ich machte mir große Sorgen um meine Schülerin. Was war ich nur für eine Shodushi, die ihre Novizin alleine ließ.

Jonathan verstand wohl, warum ich so aufgebracht war und meinte nur, dass eine Novizin auch mal ohne ihre Meisterin sein musste, um Fortschritte zu machen und dass sie sicher gut ausgebildet war.

Ich nickte. Ich war wirklich stolz auf die kleine Hiyuu. Und so die Erhabenen wollten, hatte sie ihre treuen Begleiter an ihrer Seite.

Wir waren uns allerdings beide einig, dass es Zeit war aufzubrechen. Wir gingen hinauf zum Stabwald auf den Platz, wo immer die Ballons aufstiegen, um neue Abenteuerer und Reisende in die Welt hinaus zu schicken.

Vier Tage dauerte die Reise bis wir endlich unser Ziel erreichten. Vier Tage bis wir endlich einen neuen Weg bestreiten konnten. Allerdings überkam mich ein seltsames Gefühl… Etwas unheilvolles hing in der Luft aber ich konnte beim besten Willen nicht sagen, was dieses Gefühl auslöste…
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