Kapitel 2: Inzwischen im Jadewald

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Kapitel 2: Inzwischen im Jadewald

Beitrag von Arashi Eispfote am Sa Okt 07, 2017 4:05 pm

Kapitel 2: "Inzwischen im Jadewald..."

von Kayu ( Yuan Tintenfell )

„Ey Panda, aufwach'n Schlafmütze.“ unsanft weckten mich die Worte Aruneks. „Guten Morgen“ erwiderte ich mit einem ausgiebigen Gähnen und erhob mich von dem warmen, weichen Gras und bemerkte, dass der Troll mit verwundertem Gesichtsausdruck nach oben deutete. Mein Blick folgte seinem Fingerzeig gen Himmel und nach kurzer Zeit umspielte ein Lächeln meine Lippen, als ich hinter dem weniger dichtem Blattwerk der Bambuspflanzen die seltenen aber einzigartigen Bewegungen einer Wolkenschlange hoch über uns erkannte. „Was'n das Mann?“, Aruneks Blick haftete neugierig an dem Schatten, der hoch über unserer Lagerstelle kreiste. „Eine Wolkenschlange Arunek, heute wird ein guter Tag. Diese edlen Tiere bringen, jenen, die sie erspähen großes Glück.“ Arunek schien nicht sehr begeistert von dieser für ihn wohl eher nach pandarischem Aberglauben klingenden Erscheinung.

Dennoch schien sie ihn zu faszinieren. Mich nicht weniger und so freuten wir uns über den Anblick des sich elegant zwischen den Wolken drehenden Tieres. „Sie scheint ja richtig neugierig auf uns zu sein.“ bemerkte ich mit einem Lächeln worauf Arunek nur ein unschlüssiges Brummen erwiderte. Mit einem mal kam die Schlange jedoch weiter vom Himmel herab in unsere Richtung, was nicht nur Arunek zu verunsichern schien, sondern auch in mir ein mulmiges Gefühl aufkommen ließ. Bedrohlich nah senkte sie sich schließlich nur wenige Armlängen über unseren Köpfen, die wir erschrocken einzogen, als im selben Moment eine vertraute Stimme vom Rücken der Schlange zu uns sprach: „He da erdgebundenes Volk.“, laut lachend gab Kendorai, der auf dem Rücken der Schlange ritt, dieser einen Ruck mit den Zügeln, worauf sie sich auf dem Boden niederließ und nach kurzer Musterung Arunek und mir keine Aufmerksamkeit mehr schenkte.

Umso überraschter waren wir. Mit offenen Mündern blickten wir auf unseren elfischen Freund, dessen bisher so üble Laune wie weggefegt schien. Mit einem breiten Lächeln und einem leichtfüßigen Sprung stieg er vom Rücken des Tieres und sah grinsend und heiter in unsere verdutzten Gesichter. „Nur keine Angst Freunde, sie ist gänzlich harmlos.“, erklärte er.

Stolz und voller Eifer erzählte er uns alles über diese Wolkenschlange: dass er sie am Gipfel der Ruhe als Geschenk seines Meisters erhielt, dass sie der Obhut des Wolkenschlangenordens übergeben wurde und dass sie nun schon seit ein paar Monaten alt genug sei eingeritten zu werden. Da hatten sich wirklich zwei gefunden dachte ich mir, Kendorai war noch nie derart losgelöst und ich nahm bereitwillig teil an dieser Begeisterung. Der Schlange jedoch näher zu treten wagte ich nicht, nur sehr selten bekam man eine Wolkenschlange überhaupt zu Gesicht und nun so plötzlich in der Nähe von einer zu sein verunsicherte mich etwas, trotz ihrer offensichtlich guten Erziehung. Nach einigen weiteren Begeisterungsstürmen und einer kurzen Diskussion darüber was Wokenschlangen überhaupt seien und was sie mit Schlangen zu tun haben, wobei Arunek dabei demonstrativ seiner weniger großen und flugunfähigen Damba immer wieder über den Kopf strich, knurrte uns allen der Magen. Außer Reis gab der Proviant nicht mehr viel her. Arunek machte sich auf die Jagd, während ich zum Fluss hinunter ging, um Wasser zu holen. Kendorai schien im Geiste noch hoch in der Luft Schleifen zu fliegen und lehnte träumend an seinem schuppigen Freund.

Plötzlich hörte ich hinter mir ein Schnaufen gefolgt von einem lauten Brüllen. „Hu hu ha Glitzerknatzel!“ Ehe ich reagieren konnte, hatte ein kräftiger Ho Zen aus dem Unterholz meinen Topf geschnappt und verschwand mit einem lauten Platschen im Fluss. Noch immer steif vor Verwunderung blickte ich dem frechen Affen nach, wie er sich am anderen Ufer das Fell schüttelte und dann mit den für seines Gleichen üblichen Getöse im Dickicht verschwand.

Kendorai lachte laut auf und als der Schreck nachließ konnte auch ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Owei, wie peinlich. Jetzt müssen wir uns auf Arunek verlassen.“ meinte ich mit einem lächelndem Seufzen und schlug die Pfoten über meinem Gesicht zusammen.

Nach einiger Zeit tauchte Arunek wieder auf. Auf seiner Schulter ein großer Tiger, den er vor der Feuerstelle ablegte. „UND seht mal, was ich aus'm Fluss gezog'n hab.“, „Arunek! Bist du wahnsinnig!“, verwirrt blickte der bis eben noch stolze Jäger in das Gesicht Kendorais. Beim Anblick seines Fanges überkam auch mich der Schrecken. „Du kannst doch keinen Jinyu erlegen!“ meinte Kendorai verzweifelt. „Hm? Was für'n Ding?“. Es blieb keine Zeit, wir ließen den Jinyu zurück, wo einer war würden noch mehr sein. Anurek packte seinen Tiger über die Schulter, Kendorai schwang sich auf die Wolkenschlange und würde die Umgebung um uns im Auge behalten und uns lotsen. Wir rannten Richtung Westen.

Hinter uns war tatsächlich bald Gluckern und Blubbern zu hören, die Jinyu folgten uns. Wir passierten bald ein Dorf der Ho Zen, welches unsere Verfolger zu spät bemerkten. Wütend stürzten sich die verärgerten Ho Zen auf die verhassten Jinyu. Hinter uns ertönte bald der Lärm einer riesigen Schlägerei, darunter auch das hohle Geräusch eines auf Jinyuköpfe einschlagenden Kochtopfes.

Unsere Flucht hingegen endete alsbald am Rande einer Klippe, dahinter eine weite und tiefe Schlucht, an deren anderen Ende eine mehrere hundert Meter hohe Steilklippe emporrag. Arunek knurrte und machte sich kampfbereit, vom Himmel her jedoch schoss Kendorai hinab und deutete uns aufzusteigen. Unsicher und eher widerwillig folgten wir seinem riskanten Vorhaben, schließlich war die Schlange noch recht jung und es gab nur einen Sattel, an welchem wir uns während dem kurzen aber holperig rasanten Ritt festklammerten, den Tiger mussten wir zurücklassen. Als wir die gegenüberliegenden Klippen erreicht hatten waren wir alle unserer Kräfte gänzlich beraubt. Die arme Wolkenschlange keuchte schwer und auch wir sackten erst einmal zu Boden, bevor wir erkannten wo wir in dem ganzen Durcheinander gelandet waren. „Die uralte Passage!“ meinte ich schnaufend, „Wir sind fast wieder am Kun Lai.“

Wir ruhten so einige Zeit, bis der inzwischen noch stärker gewordene Hunger sich wieder lautstark meldete. „Die... die Jinyu sind weise und empfindsame Wesen. Du kannst doch nicht einfach alles willkürlich jagen, was im ersten Moment nach Beute aussieht.“ meinte Kendorai und wollte damit wohl vom Hunger ablenken. Eine kurzes Gespräch kam auf, dem ich nicht ganz folgte, lediglich der Schlusssatz erweckte meine Neugier „Es ist wie mit den Naga, du würdest ja auch von ihnen keinen essen, schließlich stammen sie von Nachtelfen ab.“ Als ich in diesem Moment zu Arunek blickte hatte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig verändert. „Ich hab schonmal Naga gegess'n Mann, ist also Elfenfleisch hm?“ erwiderte Arunek und fixierte seinen Blick auf Kendorai. „Vielleicht ja nur mal kosten Mann, hm?“

Dieser Witz schien Kendorai gar nicht zu gefallen, er legte seine Hand um seinen Stock und behielt Arunek feste im Blick. Dieser kam derweil ein paar Schritte auf Kendorai zu und was ich eben noch eher für einen Witz gehalten hatte, schien in eine merkwürdige Richtung zu laufen. Kendorai erhob sich jetzt und baute sich vor dem langsam näher kommenden Arunek auf. In der Hoffnung es würde etwas bringen schob ich mich zwischen die beiden „Nun kommt schon ihr zwei, macht keine Dummheiten.“. Mit der linken Pfote deutete ich Kendorai hinter an etwas Abstand zu nehmen. Aruneks Augen schienen Fenster in seine Seele zu sein, in der gerade ein heftiger Kampf zu toben schien. Die Situation war wohl doch ernster als man hätte denken können. „Ist alles in Ordnung Freund? Lasst Euch helfen.“, Ich legte meine Pfote auf seine Schulter, die kurz zusammenzuckte und leise sprach ich ein kurzes Gebet für ihn.

Und dem Lichte zum Dank er beruhigte sich wieder daraufhin und entschuldigte sich für diesen Kontrollverlust, wie er es nannte. Noch etwas verunsichert bat er mich seinen Bogen, den Köcher und sein Messer über Nacht an mich zu nehmen und darauf aufzupassen. Die Situation entschärfte sich und trotz des Hungers, war es mit dem Senken der Sonne im Westen doch die Müdigkeit, die jetzt ihren Sieg davontrug. Und unsere Müden und langsam aufklarenden Gedanken wanderten zu unseren Freunden irgendwo in der Ferne.
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