Geschichten aus dem Leben einer Elfe: Aufbruch im Mondlicht, der beginn einer langen Reise

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Geschichten aus dem Leben einer Elfe: Aufbruch im Mondlicht, der beginn einer langen Reise

Beitrag von Ryla am So Okt 15, 2017 4:49 pm

– Teil eins: Wunden des Krieges.


Die Nacht legte sich über das Land Quel'Thalas. Und doch stieg an vielen stellen des Landes noch immer Rauch empor. Knapp fünf Tage war es nun her, als Ban'dinoriel fiel und die Horden der Geißel sich einen Weg der Vernichtung zum Sonnenbrunnenplateau schafften... ein Massaker, welches  dem Volk der Elfen noch lange im Gedächtnis bleiben würde. Angeführt von nur einem Mann.. einem Menschen in Schwarzer Rüstung. Als er hatte weswegen er kam, zog er sich zurück und hinterließ nur eine Schneise des Leides und der Zerstörung.
Immer noch waren die Elfen am Aufräumen. Die Leichen der Gefallenen.. sofern sie nicht durch die Macht des Lichkönigs wieder aufstanden... türmten sich in Bergen vor der Stadt. Die Totengräber kamen gar nicht mit dem Ausheben von Gräbern hinterher. Truppen säuberten die Wälder noch immer von versprengten Ghulen und Abscheulichkeiten die zurückgeblieben waren.

Die junge Elfe stand am Fenster ihres Zimmers. Sie blickte auf die Straße hinab, wo die Trauerzüge für die Gefallenen langsam an dem Anwesen ihres Elternhauses vorbei schritten. Die Klagelieder der Priester ließen Trauer und Missmut widerhallen. Tyryla biss sich auf die Lippen. Ihre Hand Zitterte. Sie ging zu ihrem Spiegel um ihre Verbände zu wechseln. Ihre blau schimmernden Augen waren Matt und leblos. Sie konnte gar nicht mehr weinen. Nicht mehr schreien. Seit der Schlacht hatte sie kaum ein Wort gesprochen. Gegessen hatte sie auch nichts.
Als sie fertig war blickte sie sich um, der Raum, wo sie einen großen Teil ihrer Kindheit lebte, eigentlich mit vielen positiven Erinnerungen gefüllt lag dunkel vor ihr. Das Bett zerwühlt. Die Kerzen niedergebrannt. Auf einer anrichte hatte sie ihre Rüstung aufgebahrt. Dreckig, mit Blut beklebt und teilweise vollkommen zerfetzt. Darunter hing ihr Bogen, jener Bogen welchen sie einst von ihrer Mutter erhielt, als sie sich selbst den Titel eines Waldläufers verdiente und der als „Dämmerlicht“ bekannt war... Kunstvoll gefertigt. Wie ihre Rüstung mit blauen und goldenen Akzenten versehen. Sie ging zu ihm und strich mit den Fingerspitzen sanft über die feinen Inschriften, welche in das Gestell eingraviert waren. Der Text eines uralten Elfenliedes, hatte ihre Mutter ihr erzählt. Dieses Lied „Anar'ro Therasan“. Unzählige Male hatte ihre Mutter es ihr vorgesungen als sie ein Kind war. Um sie zu beruhigen... oder sie aufzuheitern. Oder auch einfach weil sie es liebte den sanften Klang der Stimme ihre Mutter zu hören. Leise summte sie die Melodie auch jetzt vor sich hin... wie sie da stand. Doch es war niemand da. Ihre Mutter Syana Windsucher war gefallen. Gefallen um ihrer Familie und ihrem Land einen weiteren Sonnenaufgang zu erkaufen. Wie viele andere. Selbst Genrälin Sylvanas Windläufer zählte zu den Opfern wenn man den Berichten glauben schenkte. Berichte die beinahe jede Stunde erneuert oder korrigiert wurden. Erst hieß es das sich die Angriffe nur auf Außenposten konzentrierten, dann kamen immer mehr und mehr Nachrichten. Bevor die Armee der Toten gen Silbermond marschierte, hatten sie Gerüchten zufolge ganz Lordaeron dem Erdboden gleich gemacht. Es seien Tausende Tot. Die Synode wartete noch immer darauf das die ersten Kundschafter, die mutig genug waren loszuziehen wiederkehrten.
Dabei kam alles so Plötzlich, erinnerte sich die Elfe. Sie war wie jeden Abend mit ihrer Einheit in der Kaserne als Alarm geschlagen wurde. Angreifer würden sich der Grenze nähern. Erst als sie nur wenig später auf die ersten Vorposten der Armee trafen wurde ihnen gewahr was da eigentlich auf sie zu kam. Schnell wurde ihnen klar das dies eine brutale Schlacht werden würde. Wobei... dieses.. Hinschlachten von Elfen.. konnte man nicht als Schlacht bezeichnen. Gegen einen Gegner der keine Verluste erleiden kann, dessen Soldaten einfach wieder aufstanden... wie kann man so etwas eine geordnete Schlacht nennen? Es war hektisch. Ein haltloses durcheinander. Angeblich verhalfen Verräter aus den eigenen Reihen diesem „König“ die heilige Barriere zu zerstören, welche Quel'thalas schützte. Es war gerade genug Zeit gewesen notdürftige Verteidigungsstellungen zu errichten als ihr Weg frei war. Tyryla kämpfte mitten drinnen. Pfeile, Gegröle und und Angst erfüllten die Luft... hinzukam ein widerwärtiger Gestank nach Verwesung und Tot.

Sie schüttelte den Kopf um die Erinnerungen fortzudrängen. Sie schnaufte und ging unruhig auf und ab. Vor sieben Stunden war sie vor Halduron Wolkenglanz selbst getreten... wie viele andere... und hatte sich von Dienst suspendieren lassen. Sie war am Ende. Körperlich, wie auch geistig. Der Anführer des Ordens der Waldläufer hatte Verständnis... auch wenn er es nicht zeigte. In diesen Stunden muss ein Mann wie er einen klaren Kopf behalten. Er war kein normaler Soldat, von ihm hing die Kommandostruktur ab. Er, der Rest der Synode und Prinz Sonnenwanderer würden noch Tagelang mit abgeordneten und Kommandanten im Krisenrat sitzen. Ihr Vater war auch unter ihnen. Theodes Sonnensturm war gern gesehener Würdenträger bei Hofe, welcher viel Einfluss in Handel und Wirtschaft besaß. Tyryla hasste ihn. Sie hatte nie viel für die extremen Ansichten ihres Vaters übrig, ihrer Ansicht nach hatten seine Erfahrungen in den Trollkriegen ihn verrückt gemacht, was in seinem hohen alter nun immer mehr zunahm. Doch das alles war bedeutungslos im Angesicht dessen.. das ihre Mutter tot war... und sie sie nicht retten konnte...

Tyryla grübelte und grübelte.

„Wie... soll es weitergehen....“ murmelte sie mit schwacher Stimme.
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